FAZ.net titelt „Ein Geld­se­gen und kei­ne Inge­nieu­re“ und bezieht sich auf das Pro­blem, dass der Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter schnell zur Behe­bung der wirt­schaft­li­chen Schief­la­ge (immer­hin gerät die „Haus­halts­kon­so­li­die­rung“ in Gefahr) ein Stra­ßen­bau­pro­gramm aus der Tau­fe heben möch­te. Erin­nert mich jetzt ein biss­chen an die Pro­gram­ma­tik unter­schied­li­cher Regie­rungs­for­men in den drei­ßi­ger Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts, als man öffent­li­che Pro­jek­te anschob, um ein­fach den Rubel rol­len zu las­sen. Damit Geld ver­dient und wie­der aus­ge­ge­ben wird.

Der Erfolg damals war unter­schied­lich: Wäh­rend es in den USA tat­säch­lich dabei half, aus einem Agrar­staat eine Indus­trie­na­ti­on zu machen, bau­ten wir Deut­schen Start­ram­pen für Trup­pen­ver­schie­bun­gen1. Das mit der Staats­öko­no­mie ist also eine zwei­schnei­di­ge Sache. Umso mehr, als dass es sich um einen sym­bo­li­schen Akt ohne jeg­li­chen Nach­weis der Nach­hal­tig­keit han­delt.

Sei­en wir mal ehr­lich: Wenn wir in den kom­men­den Jah­ren ein­fach noch ein paar Qua­drat­ki­lo­me­ter Natur zupflas­tern und ver­sie­geln, nur damit die jetzt so demons­tra­tiv ent­las­te­ten Pend­ler schnel­ler nach Hau­se und zur Arbeit kom­men, dann ist das weder ein öko­lo­gisch sinn­vol­les noch öko­no­misch nach­hal­ti­ges Pro­gramm. Wir sind kei­ne Agrar­na­ti­on mehr2, son­dern bereits eine Indus­trie­na­ti­on. Wir müs­sen den nächs­ten Schritt machen: Infor­ma­ti­on und Wis­sen in die Köp­fe vie­ler Men­schen bekom­men. Das geht nicht mit Stra­ßen, das geht höchs­tens mit Breit­band für Alle, mit bes­se­ren schu­li­schen Per­spek­ti­ven, mehr Bil­dung. Sonst feh­len uns nur noch mehr Fach­kräf­te.

Denn das Dilem­ma tut sich schon auf: Stell Dir vor, es gibt Geld und kei­ner kann was damit anfan­gen:

Bau­boom und zu wenig Fach­kräf­te.

Bil­dung brau­chen wir, kei­ne Mit­tel­strei­fen.


  1. Ohne die Stra­ßen­bau­pro­jek­te hät­ten die Natio­nal­so­zia­lis­ten damals kei­nen Krieg anfan­gen kön­nen. 

  2. höchs­tens noch in den Köp­fen