Es ist uns pas­siert — soviel gleich vor­weg. Es han­delt sich nicht um eine frei erfun­de­ne Geschich­te.
Wir kamen mit­tags mit der Bahn in Paris mit unse­ren voll­be­pack­ten Rädern (Tan­dem, Rad und Anhän­ger, bepackt mit 2 Zel­ten, Kocher, Schlaf­sä­cken, Wäsche, Aus­rüs­tung) auf der Heim­rei­se von unse­rem Radel­ur­laub an. Da wir bis zur Abfahrt des Nacht­zugs noch etwas Zeit ein­ge­plant hat­ten, sind wir am Sei­neufer vom Gare Aus­ter­litz an Nôt­re Dame vor­bei zum Eif­fel­turm gefah­ren. Unse­re Kin­der woll­ten ihn mal aus der Nähe sehen und bestei­gen.
Lei­der war die Besu­cher-Schlan­ge dort recht lang, also scho­ben wir unse­re Räder an den Men­schen­mas­sen vor­bei und park­ten sie hin­ter zwei Park­bän­ken in Sicht­wei­te der Kas­se und schlos­sen sie ab. Anschlie­ßen ist in Frank­reich fast nicht mög­lich. Wegen der gro­ßen Men­schen­men­ge befürch­te­ten wir, dass sich ein Gele­gen­heits­dieb durch­aus über unse­re Taschen her­ma­chen könn­te, die wir aber schon aus Gewichts­grün­den nicht mit­neh­men konn­ten.
Wert­sa­chen steck­ten wir ein und reih­ten uns in die Schlan­ge ein.
Man „durch­such­te“ recht ober­fläch­lich unse­re Wert­sa­chen (Ich hät­te unter der Kame­ra in der Radel­ta­sche alles Mög­li­che durch­schleu­sen kön­nen).
Nach unse­rer Rück­kehr dann geschah es: wir gin­gen zu unse­ren Rädern zurück, um die mit­ge­nom­me­nen Sachen wie­der anzu­hän­gen und wei­ter­zu­fah­ren, als wir fast zeit­gleich von bewaff­ne­ten Sol­da­ten der fran­zö­si­schen Armee dar­an gehin­dert wur­den, in die Reich­wei­te der Räder zu gelan­gen. Da bemerk­te ich, dass die Räder im Umkreis von etwa 10 Metern abge­sperrt waren und sich nie­mand außer drei Sol­da­ten dort befand. Als wir erklär­ten, dass das unse­re Räder sei­en, durf­ten wir zwar hin, uns aber nicht mehr fort­be­we­gen. Man rede­te auf Fran­zö­sisch auf uns ein. Als ich ihm klar mach­te, dass ich gar nicht ver­stün­de, was er wol­le, und dass die Frau mit mir ver­hei­ra­tet sei und die bei­den Kin­der auch zu mir gehör­ten, rief er sei­nen Chef an, der es mir als begriffs­stut­zi­gem Deut­schen auf Eng­lisch erklär­te:
Da die Räder unbe­auf­sich­tigt her­um­stan­den, hät­te man ange­nom­men, dass es sich um ein geplan­tes Bom­ben­at­ten­tat han­de­le und den Spreng­wa­gen geor­dert, der die Räder mit Gepäck ord­nungs­ge­mäß gesprengt hät­te. Er war aber zu unse­rem gro­ßen Glück noch nicht gekom­men. Nach unse­rem Ver­spre­chen, dies nicht wie­der zu tun und der Beteue­rung, dass wir dar­an nicht mal im Traum gedacht hät­ten, ließ man uns unbe­hel­ligt (und ver­mut­lich auch erleich­tert) zie­hen. Geklaut hat da übri­gens kei­ner, wie auch, immer­hin haben wir die Räder von der Armee bewa­chen las­sen…

Res­u­mée: Es han­delt sich hier um einen Fall der ord­nungs­tech­ni­schen Inkon­se­quenz. Wenn man den Eif­fel­turm und sei­ne Besu­cher schüt­zen möch­te, muss man das Are­al grund­sätz­lich weit­räu­mig abrie­geln und nur nach stren­ger Visi­ta­ti­on zur Kas­se las­sen. Dann benö­tigt man auch Schil­der, die dar­auf hin­wei­sen, dass man sich auf­grund extre­mis­ti­scher Para­noia im Aus­nah­me­zu­stand befin­det und grund­sätz­lich erst­mal alles sprengt, was nicht auf ein­zu­rich­ten­den Park­plät­zen steht (die­se Abstell­flä­chen gibt es nicht).

Post­scrip­tum: Wenn wir ara­bi­scher Her­kunft gewe­sen wären, hät­te man uns ver­mut­lich nicht so schnell davon­kom­men las­sen, Kin­der hin oder her.