Man muss sich die Argu­men­ta­ti­on mal auf der Zun­ge zer­ge­hen las­sen:

Kers­tin Schnei­der, Pro­fes­so­rin für Finanz­wis­sen­schaft an der Ber­gi­schen Uni­ver­si­tät Wup­per­tal, hat durch ihre bil­dungs­öko­no­mi­sche For­schung1 erfah­ren: „Mit mehr Geld wird Schu­le nicht auto­ma­tisch bes­ser.“ (faz.net)

Inter­es­sant ist nicht die dumm­dreis­te Pau­scha­li­sie­rung, die auch dem Schrei­ber in der FAZ unter­ge­kom­men sein mag, son­dern die Per­son, die sich zu die­sem The­ma äußert: Eine Pro­fes­so­rin für Finanz­wirt­schaft, mit­hin eine als schon fast bil­dungs­fer­ne Schicht zu bezeich­nen­de Grup­pe in der deut­schen Gesell­schaft, die sich seit Jah­ren vehe­ment gegen Leis­tungs­tests bei Hoch­schul­leh­rern sperrt.
Aber es geht noch wei­ter:

Doch war­um ist sich dann alle Welt so einig, dass mehr Geld so viel bewirkt? Wöß­mann erklärt: Die­je­ni­gen, die von höhe­ren Aus­ga­ben pro­fi­tier­ten, näm­lich die Eltern und die Leh­rer, sei­en in Inter­es­sen­grup­pen orga­ni­siert und arti­ku­lier­ten sich lau­ter als die Steu­er­zah­ler, die das finan­zie­ren müss­ten.2

Nächs­te Fra­ge: Sind Eltern denn kei­ne Steu­er­zah­ler? Und soll­te man nicht für ein aus­ge­bau­tes statt aus­ge­höhl­tes Bil­dungs­sys­tem sor­gen?
Sicher, in der deut­schen Bil­dungs­mi­se­re läuft Vie­les nicht so, wie es idea­ler­wei­se wäre. Aber der öko­no­misch-sozi­al­dar­wi­nis­ti­sche Ham­mer ist der denk­bar Schlech­tes­te. Die oben zitier­ten Per­so­nen jedoch benut­zen als Grund­la­ge ihre sehr ein­ge­schränk­ten Mess­me­tho­den, die auf eine PISAi­sie­rung und das Schü­ler-Leh­rer-Ver­hält­nis sowie das Schü­ler-Com­pu­ter-Ver­hält­nis als Mess­grö­ßen basie­ren. Das ist ja so, als ob ich aus der Men­ge der Buch­sta­ben auf einer Buch­sei­te auf die Qua­li­tät sei­nes Inhalts schlie­ßen woll­te3
Und ich kann auch kein Patent­re­zept lie­fern. Was ich aber mit Sicher­heit weiß, ist die immense Bedeu­tung nicht öko­no­misch mess­ba­rer Fak­to­ren, die auf die Päd­ago­gik Ein­fluss haben: Per­sön­lich­eits­bil­dung, Sozi­al­kom­pe­tenz, All­ge­mein­bil­dung, Abs­trak­ti­ons­fä­hig­keit, Neu­gier­de, um nur ein paar zu nen­nen. Nur — denen kann man nicht mit „bil­dungs­öko­no­mi­schen“ Maß­stä­ben bei­kom­men. Aber ich könn­te ja mal mei­ne Mut­ter fra­gen, die hat mal in den 50ern am Aus­gleichs­amt gear­bei­tet. Das soll­te sie auch qua­li­fi­zie­ren.


  1. Was es nicht so alles gibt, für das man Steu­er­gel­der aus­ge­ben kann. 

  2. Herr Wöß­mann arbei­tet am am Ifo-Insti­tut für Wirt­schafts­for­schung in Mün­chen und lehrt Bil­dungs­öko­no­mik an der Mün­che­ner Lud­wig-Maxi­mi­li­an-Uni­ver­si­tät. Auch die­ser Herr hat von der Trag­wei­te einer bil­dungs­po­li­ti­schen Ent­schei­dung nur inso­fern pro­fi­tiert, als dass er in Wirt­schaf­ten forscht. 

  3. Sol­len wir die Sei­ten­rän­der ver­klei­nern, um die künst­le­ri­sche Qua­li­tät zu ver­bes­sern?“
    😉