Das fin­de ich jetzt doch ein biss­chen mit „Gschmäck­le“:

Leis­tungs­prä­mie für KSK-Sol­da­ten geplant“ (tagesschau.de)

Nun ja, als Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer habe ich weni­ger Pro­ble­me damit, dass die Bun­des­wehr Nach­wuchs­sor­gen hat. Aber eine „Leis­tungs­prä­mie“ für KSKler? Das könn­te bald Schu­le machen. Wie aber berech­net man die Leis­tung eines Sol­da­ten? Die Neu­zeit wur­de ja ins­be­son­de­re durch eine völ­li­ge Neu­ori­en­tie­rung in der Kriegs­füh­rung ein­ge­lei­tet: die Geburt des „Söld­ners“ aka „Sol­da­ten“. Man kämpf­te nicht mehr für Län­der und muss­te sich als Indi­vi­du­um gegen­über sei­nem Lehens­her­ren her­vor­tun, son­dern befand sich ein­ge­bun­den in eine Orga­ni­sa­ti­on1. es war die Ver­wand­lung des Kämp­fers, der nicht Ehre im Sinn hat, son­dern Geld2.
Leis­tung in die­sem Sin­ne war die Fähig­keit des Ein­zel­nen, nicht mehr aus der Mas­se her­vor­zu­tre­ten, son­dern blin­den Gehor­sam zu leis­ten. Erst dadurch wur­den moder­ne Arme­en schlag­kräf­tig: sie ope­rier­ten wie ein Orga­nis­mus3.
Mit ande­ren Wor­ten: je weni­ger Eigen­in­itia­ti­ve der Sol­dat zeigt, des­to bes­ser funk­tio­nier­te die Kriegs­füh­rung. Nur so konn­te sich die euro­päi­schen „Mili­tär­ma­schi­ne“ welt­weit durch­set­zen. Im Gefol­ge und mit die­sen Erfah­run­gen mach­te dann die Wirt­schaft Euro­pas eine ähn­li­che Ent­wick­lung durch. Nicht zuletzt des­halb wird die­se funk­tio­na­le Sym­bio­se zwei­er unter­schied­li­cher Berei­che von Kri­ti­kern als „Kom­plex“ bezeich­net. Unter­neh­men funk­tio­nie­ren wie Mili­tär­ap­pa­ra­te. Das kann man begrü­ßen oder ableh­nen.
Wenn aber jetzt Sol­da­ten leis­tungs­be­zo­gen ent­lohnt wer­den, wird damit eine 400-jäh­ri­ge Geschich­te umge­krem­pelt. Noch gibt die Prä­mi­en nur für die Aus­bil­dung zum Kampf­schwim­mer und ähn­li­che kör­per­li­che Leis­tun­gen. Wenn aber in bal­di­ger Zukunft auch von dem gemei­nen Sol­da­ten die Skalps sei­ner „erleg­ten“ Fein­de gesam­melt und in bare Mün­ze ein­ge­tauscht wer­den4, dann sind wir wie­der im Mit­tel­al­ter. Aber dann bit­te nur mit Keu­le …


  1. Die nicht zuletzt auch des­we­gen eine begriff­li­che Nähe zu „Orga­nis­mus“ hat 

  2. Dar­über hat sich beson­ders Nor­bert Eli­as in sei­nem Werk „Die Geburt der Zivi­li­sa­ti­on“ aus­ge­las­sen 

  3. Dazu wie­der­um mehr bei Michel Fou­cault 

  4. Die­se Sit­te wird mög­li­cher­wei­se zu Unrecht den India­nern Nord­ame­ri­kas ange­dich­tet: das Skal­pie­ren ist ver­mut­lich eine Tra­di­ti­on der wei­ßen Besat­zer — sie­he hier