… ist unge­fähr das, was ein Alki macht, wenn er im Super­markt vor dem Wein­re­gal steht: „Nur eine Fla­sche — für jetzt. Und dann noch eine für spä­ter. Und dann noch eine für…“
So unge­fähr haben die ein­schlä­gi­gen Selbst­ver­pflich­tun­gen der Wirt­schaft immer funk­tio­niert. Erin­nert sich jemand an die Aus­bil­dungs­platz-Zusa­ge? Oder an die Pfand­fla­schen­rück­nah­me? Frei­wil­li­ge Selbst­kon­trol­le ist in einer kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schaft unge­fähr so ver­bind­lich wie die Wet­ter­vor­her­sa­ge für den kom­men­den Monat. Das soll­te auch Herr Schäub­le wis­sen, wenn er zu vor­sich­ti­ge­rem Umgang mit sen­si­blen Daten mahnt. Muss er doch selbst mitt­ler­wei­le um den selbst­ge­strick­ten Mythos fürch­ten, man kön­ne die bun­des­deut­sche Ver­wal­tungs-Daten­kra­ke in irgend­ei­ne Schran­ke wei­sen. Die Wirt­schaft klaut Daten, sie krallt sie sich gefragt oder unge­fragt, wo immer sie sie bekommt. Es geht ums Ergeb­nis, nicht um die Moral. Eine Selbst­ver­pflich­tung kos­tet sie ein paar Glas Sel­ters im Minis­te­ri­um — und spä­ter kann sich kei­ner mehr erin­nern, was man da eigent­lich bespro­chen haben woll­te.
Gera­de sind bei der US-ame­ri­ka­ni­schen Bank of New York die Daten von 4,5 Mil­lio­nen Kun­den ver­schwun­den — der Daten­trä­ger ist futsch (netzpolitik.org):

Schlim­mer und in den Fol­gen nicht abseh­bar ist die abso­lu­te Unwi­der­ruf­bar­keit des Vor­falls, d.h. die 4,5 Mil­lio­nen Kun­den­da­ten, die “Namen, Geburts­da­ten und Sozi­al­ver­si­che­rungs­num­mern” ent­hal­ten – mit ein wenig Map­ping las­sen sich leicht aller­lei Ver­knüp­fun­gen zu ande­rern Daten her­stel­len, etwa aus ande­ren Bestän­den unter Fremd­kon­trol­le.

Und da soll eine Selbst­ver­pflich­tung hel­fen? Herr Schäub­le, ich weiß nicht, in wel­chem Wol­ken­ku­ckucks­heim Sie woh­nen, aber das ist bald der Nor­mal­fall…