(Der Titel ist absicht­lich in der eng­li­schen Ori­gi­nal­fas­sung, da die deut­sche Über­set­zung mit »Über­le­ben des Stär­ke­ren« völ­lig falsch über­setzt ist und auch der Sache nicht gerecht wird:) Wer sich bes­ser anpas­sen kann, hat grö­ße­re Über­le­bens­chan­cen. Was aber hat das jetzt mit der tech­ni­schen Doku­men­ta­ti­on zu tun?

Bereits im Bei­trag »Scho­ne Dei­nen Redak­teur« hat­te ich ange­spro­chen, dass es eigent­lich einen gera­de­zu dra­ma­ti­schen Man­gel an tech­ni­schen Redak­teu­ren gibt. Die­ser Man­gel hat sich auf­grund der Anfor­de­run­gen an die Her­stel­ler durch das »GPSG« (Gerä­te- und Pro­dukt­si­cher­heits­ge­setz)ver­schärft. Denn in §4 wird beim »Inver­kehr­brin­gen und Aus­stel­len« eines Pro­dukts (und damit ab dem Zeit­punkt, ab dem das Pro­dukt das Fir­men­ge­län­de ver­lässt) fest­ge­legt, dass eine Gebrauchs­an­wei­sung bei­zu­lie­gen hat, die die »Sicher­heit und Gesund­heit« gewähr­leis­tet. Soweit die Theorie.

Der Mangel.

Lei­der haben aber nun die Ver­ant­wort­li­chen bei den Her­stel­lern dabei völ­lig über­se­hen, dass es zur Anfer­ti­gung eben die­ser Gebrauchs­an­wei­sun­gen Spe­zia­lis­ten gibt, Tech­ni­sche Redak­teu­re eben. Nun brennt das Dach: Da seit der Umset­zung und dem Ver­strei­chen der Über­gangs­frist kei­ne Redak­teu­re vom Him­mel gefal­len sind, herrscht Mangel.

Die­ser Man­gel an ver­füg­ba­ren Redak­teu­ren lässt sich nicht ein­fach durch mehr­mo­na­ti­ge Volon­ta­ria­te abfan­gen, beson­ders wenn auf­grund der feh­len­den Per­spek­ti­ve die ange­hen­den Redak­teu­re kei­ne beson­de­re Moti­va­ti­on an den Tag legen. Zu oft waren bei nach­las­sen­dem Auf­trags­ein­gang die Redak­tio­nen unter den ers­ten Abtei­lun­gen, die dem Rot­stift zum Opfer fie­len. Zu gering auch die Aner­ken­nung unter den Kol­le­gen, da man ja »nur« Papier beschreibt und Fest­plat­ten füllt, ohne jemals beim Kun­den das Pro­dukt unter Zeit­druck auf­zu­bau­en und zu warten.

Außer­dem ner­ven Redak­teu­re durch stän­di­ges Nach­boh­ren2 und Hin­ter­fra­gen, durch Kor­rek­tur­fas­sun­gen und halb fer­ti­ge Skiz­zen. Und wenn dann das fer­ti­ge Hand­buch aus dem Dru­cker rauscht oder auf CD gebrannt wird, dann fin­det man sowie­so nichts, weil es woan­ders steht als man es suchen würde …

Die Selektion.

Nichts­des­to­trotz braucht man eine Gebrauchs­an­wei­sung. Also müs­sen Redak­teu­re ran. Die es gar nicht gibt. Die nahe lie­gen­de Lösung, eben einen Exter­nen zu beauf­tra­gen, der dann eben für ein paar Mona­te ins Haus kommt, ist gar nicht so schlau, wie sie auf den ers­ten Blick klingt. Denn auf die Idee sind schon alle gekom­men. Und: auch »frei her­um lau­fen­de« Tech­ni­sche Redak­teu­re sind nicht zahl­reich. Jetzt könn­te man mit dem Scheck­buch win­ken und wie bei eBay ver­su­chen, sich gegen­sei­tig zu über­bie­ten, denn schließ­lich muss die Doku­men­ta­ti­on ja gemacht wer­den. Das kann sich aber kei­ner leis­ten – schon um des Betriebs­frie­dens wil­len. Inter­ne Mit­ar­bei­ter ein­set­zen, die das Pro­dukt bereits ken­nen? Die kurz­fris­tig umge­schul­ten Mit­ar­bei­ter feh­len dann even­tu­ell an ande­rer Stel­le oder sind eben in den Tücken und Abläu­fen der Redak­ti­on doch nicht so beschla­gen. Also ist guter Rat teuer.

Zahl­rei­che – vor allem mit­tel­stän­di­sche – Unter­neh­men haben neben der knap­pen Per­so­nal­de­cke einen zusätz­li­chen Nach­teil: So reiz­voll die Arbeit dort auf­grund fla­cher Hier­ar­chi­en und eines fami­liä­ren Betriebs­kli­mas auch sein mag, sie befin­den sich meist »auf der grü­nen Wie­se«. Hier schlägt die Arbeits­platz­si­cher­heit zu: ein Tech­ni­scher Redak­teur, der schon ein­mal auf die Nase gefal­len ist, weil sein Arbeits­platz der Bilanz geop­fert wur­de, wird sich nicht ger­ne auf eine Stel­le bewer­ben, die ihn auf Gedeih und Ver­derb an einen ein­zi­gen Her­stel­ler bin­det. Wenn der Job näm­lich flö­ten geht, hat er kei­ne Alter­na­ti­ve. In Bal­lungs­räu­men gibt es dage­gen immer einen ande­ren Job.

Also doch Exter­ne. Die aber benö­ti­gen Aus­steue­rung. Denen muss – da sie je nicht stän­dig vor Ort sind – die Arbeit vor­kon­fek­tio­niert werden.

Die Anpassung.

Falls Sie jetzt der Logik des Dilem­mas bis hier­her gefolgt sind, bie­tet sich kaum noch ein Aus­weg an: Sie brau­chen Exter­ne. Die aber nicht vor Ort und noch nicht ein­mal vom Fach. Denn – unter uns – eine Betriebs­an­lei­tung zu einer Stem­pel­ma­schi­ne unter­schei­det sich nur inhalt­lich von der Doku­men­ta­ti­on eines Nass­ra­sie­rers. Die Struk­tur ist ähnlich.

Sie kön­nen, nein müs­sen also auf exter­ne Mit­ar­bei­ter zurück grei­fen. Da die­se nicht jah­re­lang ins Haus kom­men, benö­ti­gen Sie Jeman­den, der die Arbeit vor- und auf­be­rei­tet. Der als Schnitt­stel­le zwi­schen inter­nen Infor­ma­ti­ons­pro­du­zen­ten (Tech­ni­kern, Inge­nieu­ren, Pro­gram­mie­rern, etc.) und den exter­nen Infor­ma­ti­ons­auf­be­rei­tern (Redak­teu­re, Gra­fi­ker, Über­set­zer) fun­giert. An die­ser Schnitt­stel­le wird mit allen Betei­lig­ten der Redak­ti­ons­pro­zess defi­niert, über­wacht und aus­ge­steu­ert. Hier muss kein Redak­teur sit­zen, son­dern ein Organisationstalent.

Fazit:

Suchen Sie kei­nen Redak­teur, den fin­den Sie nicht recht­zei­tig. Suchen Sie Jeman­den für die Schnittstelle.

sup>1 Wohl­ge­merkt, es han­delt sich um ein Gesetz, nicht um eine Norm oder eine Vorschrift

2 Das ist aller­dings Teil ihres Berufs­bil­des. Ein Redak­teur, der nicht nach­fragt, macht etwas falsch.