Die Absetz­be­we­gun­gen nach dem Abster­ben des Trans­ra­pid sind in vol­lem Gan­ge. Die kurz­sich­ti­ge und lei­der auch durch­sich­ti­ge Aus­re­de kommt aller­dings aus der baye­ri­schen Staats­kanz­lei:
Statt den Trans­ra­pid als eine mitt­ler­wei­le 70 Jah­re alte Erfin­dung zu erken­nen, der sich aus ver­schie­dens­ten Grün­den in unse­rem Land ein­fach nicht zu bau­en lohnt1, wird jetzt mun­ter auf der „Unse­rio­si­tät“ der betei­lig­ten Indus­trie her­um­ge­rit­ten.
Das ist durch­sich­tig, denn wer jemals bei einer öffent­li­chen Aus­schrei­bung dabei war, kennt die Vor­ge­hens­wei­se: da wird in schi­cken Mee­tings eine Art Brain­stor­ming gemacht, des­sen Ergeb­nis­se dann in einem kon­kre­ten Auf­ga­ben­ka­ta­log mün­den sol­len. Da dabei aber nur die Hälf­te der erfor­der­li­chen Arbeits­schrit­te ange­spro­chen wird, geht die Kal­ku­la­ti­on von will­kür­li­chen Zah­len aus. Dann aber kom­men Staats­se­kre­tä­re und ande­re -sekre­tä­re ins Spiel und schie­ben immer wie­der neue Wün­sche nach: hier ein Tun­nel, da eine Umge­hung, dort ein Lärm­schutz­wall — alles Sachen, die in der ers­ten Kal­ku­la­ti­on nicht drin waren.
Dar­auf­hin warnt eine Sub­al­ter­ner vor der Kos­ten­ex­plo­si­on. Das ist das Ende sei­ner Lauf­bahn, denn er wird als Mies­ma­cher und Beden­ken­trä­ger in die tech­no­lo­gie­feind­li­che Ecke gescho­ben. Jetzt regiert die poli­ti­sche „Visi­on“. Jen­seits der Rea­li­tät wer­den Extra­wün­sche nach per­sön­li­chem und poli­ti­schem Oppor­tu­nis­mus ver­teilt („Gib ihm die 100 m Tun­nel, dann krie­gen wir eine neue Ener­gie­kos­ten­rech­nung erst nach der Land­tags­wahl“).
Die tat­säch­li­chen Kos­ten sind in der Zwi­schen­zeit im vir­tu­el­len Orbit.
Und dann kommt die Bilanz, ein­ge­for­dert von der Öffent­lich­keit. Und die offen­bart die immer noch vor­herr­schen­de Igno­ranz frem­den Gel­des: Was auf dem Papier so schön aus­sah und als Grund­la­ge für die Spezl­wirt­schaft her­hal­ten muss­te, ist in der Rea­li­tät zu teu­er.
Nein, Herr Beck­stein, Sie sind nicht dumm, Sie wuss­ten das vor­her schon: Wir kön­nen uns sowas gar nicht leis­ten. Nicht zuletzt auch des­we­gen, weil man in der gan­zen 70-jäh­ri­gen Ent­wick­lungs­zeit offen­bar kei­nen Gedan­ken dar­an ver­schwen­den woll­te, ob man das braucht und ob man es bezah­len kann.
Wir soll­ten der Indus­trie dank­bar sein: statt nur will­fäh­rig dem blin­den Popu­lis­mus nach­zu­lau­fen und dem Volk Sand in die Augen zu streu­en, haben sie uns mal wie­der dar­an erin­nert, dass es viel­leicht auch eine Num­mer klei­ner gehen kann. Vie­len Dank.


  1. unter ande­rem, weil er Stre­cken braucht, die wir hier gar nicht bie­ten kön­nen