Was lese ich da wie­der Bahn­bre­chen­des bei tele­po­lis:

Der auf den ers­ten Bli­ck viel­leicht ein­leuch­ten­den Vor­stel­lung, dass man nur frü­her mit dem Ler­nen anfan­gen müs­se, um die Kin­der klü­ger zu machen, ver­setzt nun eine bri­ti­sche Stu­die einen Dämp­fer. Bele­ge dafür gebe es kei­ne.

Nun, mei­ne Damen und Her­ren Kul­tus­mi­nis­ter: auch mit einem durch­schnitt­li­chen Ver­stand aus­ge­stat­te­te Men­schen wis­sen — sofern sie denn selbst Kin­der haben oder wel­che betreu­en — dass Kin­der sich ent­wi­ckeln. Und zwar welt­weit in etwa dem sel­ben Tem­po. Das ist der Ent­wick­lung des mensch­li­chen Ver­stands geschul­det, den man nicht wie eine Com­pu­ter­fest­plat­te ein­fach zustop­fen muss, nur damit dadurch das Wis­sen oder gar die Intel­li­genz steigt1.
Alle Kin­der ler­nen inner­halb eines klar bestimm­ba­ren Zeit­fens­ters in einer bestimm­ten Rei­hen­fol­ge, die Welt zu begrei­fen und Zusam­men­hän­ge zu ver­ste­hen. Dazu brau­chen sie Anlei­tung, die ihnen ent­wick­lungs­ge­recht Mög­lich­kei­ten dazu bie­tet. Schu­le ist eine west­li­ch-euro­päi­sche Errun­gen­schaft, in der es unter ande­rem auch dar­um geht, die west­li­che Zivi­li­sa­ti­on auf­zu­neh­men, um in ihr leben zu kön­nen. Dazu zäh­len die berühm­ten Grund­fer­tig­kei­ten wie Rech­nen, Schrei­ben oder Lesen. Aber auch die­se Grund­fer­tig­kei­ten sind kei­nes­wegs ubi­qui­tär. Ein mon­go­li­scher Schä­fer muss nicht unbe­dingt schrei­ben kön­nen. In sei­ner Kul­tur sind ande­re Fak­to­ren mit­un­ter wich­ti­ger — Kennt­nis­se über das Wet­ter, die Boden­be­schaf­fen­heit, die Topo­gra­fie, das Kli­ma.
So ähn­li­ch gilt das auch bei uns: Kin­der benö­ti­gen, um über­haupt in der Schu­le mit­hal­ten zu kön­nen, einen Vor­rat an Grund­kennt­nis­sen, den sie in den ers­ten sechs Lebens­jah­ren erwer­ben. Und zwar erstaun­li­cher­wei­se wirk­li­ch sechs Jah­ren. Kei­ne vier oder acht. Ein Kind mit vier Jah­ren in die Schu­le zu ste­cken, ist völ­li­ger Blöd­sinn, weil es eben noch nicht über aus­rei­chen­de Kon­zen­tra­ti­on ver­fügt, über die erfor­der­li­chen moto­ri­schen Fähig­kei­ten und die Ver­knüp­fungs­fä­hig­keit. Das ler­nen sie ja erst gera­de.
Um intel­li­gen­te­re Kin­der zu bekom­men, muss man sie viel­leicht län­ger unter­rich­ten, aber bestimmt nicht frü­her.

Bild­quel­le: Alcimonia/​ pixelio.de


  1. Letz­te­res funk­tio­niert ent­ge­gen einer weit ver­brei­te­ten tech­no­kra­ti­schen Ansicht noch nicht mal mit Com­pu­tern.