Das ist doch mal ein wirk­lich mora­lin­saures Weih­nachts­ge­schäft: Alle Poli­ti­ker, die sich irgend­wie dem Wahl­volk lieb Kind machen wol­len (oder sollen/​müssen), bekla­gen sich über die hohen Abfin­dun­gen und Gehäl­ter der Mana­ger, die sie eben noch in den Him­mel gelobt haben.
Ange­fan­gen hat­te das mit unse­rem Bun­des­prä­si­dent, der sich — ganz die mora­li­sche Instanz ver­kör­pernd, die er auch sein soll — nach sei­ner Rück­kehr aus Afri­ka über die unmä­ßi­gen Gehalts­vor­stel­lun­gen deut­scher Spit­zen­an­ge­stell­ter beklag­te. Ein Bun­des­prä­si­dent darf das und soll das. Nein: er muss es sogar, denn er braucht kei­ne Rück­sicht zu neh­men auf innen­po­li­ti­sche Sand­kas­ten­spie­le, in denen sich so unse­re Durch­schnitts­po­li­ti­ker ger­ne ver­zet­teln.
Inter­es­san­ter aber ist es, wenn sich Poli­ti­ker der Regie­rungs­par­tei­en dar­über echauf­fie­ren, immer­hin sind die einen ja damit ange­tre­ten, den Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land zu sichern1, und die ande­ren nach Jah­ren der eige­nen Regie­rung und der Durch­set­zung der Hartz-Agen­da2.
Vor allem aber ver­lo­gen ist es, wenn sich eben jene Poli­ti­ker mit Zäh­nen und Klau­en gegen eine Offen­le­gung ihrer ver­steck­ten Bezü­ge weh­ren und sich dann eine Diä­ten­er­hö­hung geneh­mi­gen.

Ich ken­ne die Wei­se, ich ken­ne den Text, ich ken­ne die Her­ren Ver­fas­ser: Ich weiß, sie trin­ken heim­lich den Wein und pre­di­gen öffent­lich Was­ser“ (H. Hei­ne. Ist schon län­ger tot. Lei­der)


  1. in der vagen Hoff­nung, dass damit auch genü­gend Leu­te ums eige­ne Wahl­kampf­ban­ner geschaft wer­den 

  2. deren Bestre­ben es sein soll, den Men­schen die Erwerbs­lo­sig­keit so madig zu machen, dass sie lie­ber Klos schrub­ben als in ihrem Beruf tätig sein zu wol­len, selbst wenn es gar kei­ne Arbeit für sie gibt