Auch ich ver­ab­scheue Atten­ta­te — ein Atten­tat ist ein Mord aus poli­ti­schen Grün­den. Es ist ein Ver­bre­chen, aber kein Ter­ror. Man kann nun treff­lich dar­über strei­ten, ob es gerecht­fer­tig­te Atten­ta­te1 gibt. Was man aber nicht machen soll­te — und dar­an krankt eigent­lich unse­re gan­ze Wahr­neh­mung poli­ti­scher Gewalt — ist, Atten­ta­te als Ter­ror dar­zu­stel­len. Sie sind es nicht, vor allem nicht in demo­kra­ti­schen Län­dern. Da dort schon per defi­ni­tio­nem die Macht vom Volk aus­geht, macht ein Anschlag auf eine ein­zel­ne Per­son ja kei­nen Sinn.
Mehr­deu­tig ist in die­sem Zusam­men­hang der (kol­por­tier­te) Aus­spruch unse­rer Kanz­le­rin2, dass

[…] im Kampf gegen den inter­na­tio­na­len Ter­ro­ris­mus vor allem Die­je­ni­gen geschützt wer­den müs­sen, die unter ihm leiden.“

Moment: Müs­sen die geschützt wer­den, die unter dem „inter­na­tio­na­len Ter­ro­ris­mus“ lei­den? Oder die, die unter dem „Kampf gegen den inter­na­tio­na­len Ter­ro­ris­mus“ lei­den? Die Aus­sa­ge ist da ambi­va­lent. Ver­mut­lich unge­wollt. Sie lässt aber die Ansicht durch­schim­mern, dass man hier ein Feind­bild zurecht zim­mert, an dem man sei­ne kon­zept­lo­se Her­um­wursch­tel­ei aus­to­ben kann.
Denn wenn wir den „inter­na­tio­na­len Ter­ro­ris­mus“ als inter­na­tio­na­le Kri­mi­na­li­tät klas­si­fi­zier­ten, fehl­te uns doch der Popanz, das Tot­schlag­ar­gu­ment zur Durch­set­zung unde­mo­kra­ti­scher Instru­men­ta­ri­en, gell?


  1. und damit „gerech­te“ Ver­bre­chen 

  2. Tages­schau vom 27.12.2007