Vor dem Gesetz sind alle gleich, sagen die, die hin­ter dem Gesetz ste­hen“ war mal so ein Spon­ti-Spruch der Acht­zi­ger (ich wür­de den Urhe­ber ger­ne wür­di­gen, weiß aber nicht mehr, wer es war).
Nun hat laut Bericht der net­zei­tung das Land­ge­richt Ham­burg

[…] eine einst­wei­li­ge Ver­fü­gung der […] GmbH gegen den Blog­ger und Medi­en­jour­na­lis­ten Ste­fan Nig­ge­mei­er [erlas­sen]. Anlass der Kla­ge war ein auf Nig­ge­mei­ers Blog abge­ge­be­ner, von ihm unver­züg­li­ch gelösch­ter Kom­men­tar. Das Land­ge­richt Ham­burg schloss sich der Rechts­sicht der kla­gen­den Fir­ma an. Die­se beharr­te dar­auf, Nig­ge­mei­er dür­fe die Kom­men­ta­re auf sei­nem Blog nicht unmo­de­riert frei­ge­ben.

Dass eine juris­ti­sche Per­son (auch eine GmbH zählt dazu) einem unlieb­sa­men Kom­men­ta­tor „das Maul ver­bie­ten“ darf, ist schon eine bedenk­li­che Schief­la­ge der deut­schen Recht­spre­chung1.
Die Emp­feh­lung des Gerichts, dass er sei­nen Blog aber zu mode­rie­ren hat, ist aber wirk­li­ch rea­li­täts­fremd.
Gut, ich mode­rie­re auch — nicht wegen der Kom­men­ta­re, son­dern wegen der Spam­mer, die sich hier breit machen2.
Lus­tig ist aber der kon­struk­ti­ve Vor­schlag eben jener Jus­ti­zi­a­re, dass sich der Beklag­te doch nur ein­mal in der Woche hin­set­zen müs­se und die Kom­men­ta­re frei­schal­ten oder löschen.
Ein­mal in der Woche. (Das ist so rea­li­täts­fremd wie das Argu­ment des Auto­fah­rers, er habe den Rad­ler nur des­we­gen über­se­hen, weil die­ser mit 50 Sachen über den Rad­weg bret­ter­te.)

Ein pas­sen­der Gegen­vor­schlag ist denn auch schnell bei der Hand:

Auf den Vor­schlag des Gerichts, Nig­ge­me­mei­er möge sich doch ein­mal in der Woche eini­ge Stun­den Zeit neh­men, die Kom­men­ta­re zu mode­rie­ren, fin­det Sli­de­to­ne die pas­sen­de Ant­wort: «Statt mehr­mals wöchent­li­ch soll­te sich das Ham­bur­ger Land­ge­richt ein­mal im Jahr zusam­men­fin­den. Ich wür­de den 1. April eines jeden Jah­res vor­schla­gen.»


  1. schreibt man das „Rechtspre­chung“ oder „Rechtsspre­chung“? 

  2. komi­scher­wei­se scheint es dage­gen nichts zu geben …