Es ist geschafft: Der Bun­des­tag hat gegen die Frei­heit1 und die demo­kra­ti­schen Grund­rech­te gestimmt und die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung beschlos­sen. Ab sofort wer­den alle Kom­mu­ni­ka­ti­ons­da­ten aller Bun­des­bür­ger sechs Mona­te gespei­chert, der Bür­ger qua­si mal vor­ab kri­mi­nel­ler Machen­schaf­ten verdächtigt.
Wir soll­ten uns nicht grä­men, das hat näm­lich auch gewis­se Vorteile: 

  • Jede Mail und jedes Tele­fo­nat, die ich schi­cke oder füh­re, wird mit­ge­schnit­ten vom Ver­fas­sungs­schutz und bei den Betrei­bern der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men. Die haben ab Janu­ar dann auch die Bestä­ti­gung, dass ich jeman­dem eine E-Mail geschrie­ben habe. Ab dann kann sich kei­ner mehr raus­re­den, er habe mei­ne Mails nicht erhal­ten (ich natür­lich auch nicht). Aber es ist noch bes­ser: falls ich die Daten ver­schmei­ße, kann ich Sie bis zu sechs Mona­ten noch mal anfor­dern – von mei­nem ISP. Cool, oder?
  • Zwar wird allent­hal­ben behaup­tet, man wer­de nur die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­da­ten spei­chern, aber nicht die Inhal­te, aber wer glaubt schon einem Innen­mi­nis­ter, der das Ver­fas­sungs­ge­richt mit einer faschis­ti­schen Insti­tu­ti­on gleich­stellt? Oder einem Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter, der auch das Grund­ge­setz miss­ach­tet, wenn er es für rich­tig hält, Ver­kehrs­flug­zeu­ge im Ent­füh­rungs­fall mit­samt allen Insas­sen vom Him­mel zu schie­ßen? Ich neh­me mal an, dass „aus Ver­se­hen“ auch die Inhal­te mit­ge­spei­chert wer­den. Und das ist auch gut so, denn dann weiß ich mei­ne Daten auch regel­mä­ßig gesi­chert. Da das wahr­schein­lich inkre­men­tell geschieht, kann ich mir die eige­nen Back­ups ja eigent­lich spa­ren – und auch den Plat­ten­platz: Mail vom Mai­er gelöscht? Anhang nicht gele­sen und weg? Rech­ner beim Trans­fer abge­stürzt? Kein Pro­blem: Rufen Sie ein­fach beim Innen­mi­nis­ter an, er soll Ihnen die Kopie schi­cken. Cool, was?
  • Und es kommt noch bes­ser: In Zei­ten, wo auch das Web 2.0 finan­zi­ell nicht so recht begeis­tern will, wird bei den Betrei­bern auch bald der Spei­cher­platz bald knapp. Wie wäre es, wenn jeder von uns den zustän­di­gen Behör­den sei­nen frei­en Spei­cher­platz zur Ver­fü­gung stellt? Ein paar Giga wür­den sich schon frei machen las­sen, das soll­te bei meh­re­ren Mil­lio­nen Nut­zern doch rei­chen. Zwar haben wir das Pro­blem, dass unse­re Rech­ner nicht unein­ge­schränkt online sind, aber man könn­te uns den zusätz­li­chen Strom­ver­brauch bei 99% Ver­füg­bar­keit finan­zi­ell schmack­haft machen. Wie das gehen soll? Na wie über­all: Spon­so­ring. 10 Giga bei mir und beim Staats­an­walt Huber erscheint oben auf dem Bild­schirm ein pene­tran­ter But­ton: „Ihre Daten wer­den Ihnen zur Ver­fü­gung gestellt mit freund­li­cher Unter­stüt­zung von Böt­ti­ger“. Rich­tig cool, was?

Ich bin mir sicher, da drau­ßen gibt es noch mehr Ide­en, wie man die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung für eigen­nüt­zi­ge und wirt­schafts­för­dern­de Maß­nah­men benut­zen kann. Das waren nur ein paar Gedan­ken von einem Lai­en. Gar nicht aus­zu­den­ken, was die Pro­fis oder gar die Ter­ro­ris­ten und Kri­mi­nel­len mit den Vor­zü­gen der zen­tra­len Daten­spei­che­rung anfan­gen können …


  1. bedenk­lich stimmt mic in die­sem Zusam­men­hang auch die Errich­tung eines „Frei­heits- und Ein­heits­denk­mals“ – jetzt wird die Frei­heit auch schon auf in Denk­mal gestellt, das macht man ja mit Ver­stor­be­nen