Drü­ben bei ars tech­ni­ca (Vor­sicht: eng­lisch) las ich vor ein paar Tagen zum The­ma „WGA“1, dass Micro­soft aus dem Desas­ter2 die­ses Som­mers gelernt haben will:

In addi­ti­on to bet­ter tes­ting of patches, the WGA team is deve­lo­ping an impro­ved method for dealing with any addi­tio­nal outa­ges that may hap­pen in the future. Like a team prac­ticing for an ine­vi­ta­ble dis­as­ter, the group is con­duc­ting „fire drills“ — prac­tice sce­n­a­ri­os that pre­pa­re the group to respond to pos­si­ble WGA emergencies.

Das heißt, man will ab sofort nicht nur die Soft­ware bes­ser vor der Aus­lie­fe­rung kon­trol­lie­ren (soll­ten sie doch sowie­so schon tun), son­dern auch Not­fall­maß­nah­men ent­wi­ckeln, was zu tun ist, falls auf­grund eines Pro­blems tat­säch­lich Mil­lio­nen Rech­ner ausfallen.
Dazu übt man einen Feu­er­alarm, bei dem die Ver­ant­wort­li­chen nachts zu einer belie­bi­gen Stun­de aus den Bet­ten geholt wer­den, um kurz­fris­tig das Schlimms­te, näm­lich den Aus­fall der gesam­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tur, zu ver­hin­dern. Das wäre ja in der Tat der Gau. Zumin­dest in einer Informationsgesellschaft.
Jetzt ist das eigent­lich eine lus­ti­ge Vor­stel­lung, wie ein schlaf­trun­ke­ner Blil Gates in Unter­ho­se in sei­nem Büro hockt und ver­zwei­felt ver­sucht dem Prä­si­den­ten klar zu machen, dass es sich nicht um einen ter­ro­ris­ti­schen, son­dern um einen wirt­schafts­po­li­ti­schen Anschlag han­delt3.
Jetzt ist das WGA eigent­lich die die Vor­weg­nah­me der Online-Über­wa­chung unse­rer Innen­mi­nis­ter: Miss­lie­bi­ge Rech­ner wer­den ein­fach run­ter­ge­fah­ren bis die Jungs in den dunk­len Män­teln an der Tür klop­fen (komi­scher­wei­se gehen die zumin­dest im Fern­se­hen immer davon aus, dass die Leu­te auch tat­säch­lich dort woh­nen, wo ihr Name auf dem Tür­schild steht).
Falls die Online-Über­wa­chung aber nun ein ähn­li­ches Pro­blem hat wie Micro­soft (die ja eigent­lich die Pro­fis sind), müs­sen Not­fall­plä­ne her. Also soll­te dann auch der Stab des Innen­mi­nis­ters sol­che Not­fall­plä­ne aus­ar­bei­ten. Ich gäbe was für eine funk­tio­nie­ren­de Web­cam: Die Chefs aus BKA, BGS, MAD, Innen­mi­nis­tern und sons­ti­gen betei­lig­ten Insti­tu­tio­nen hocken in Unter­ho­sen um einen unra­sier­ten Hacker her­um, der ihnen erklärt, wie sie die Rech­ner wie­der ans Lau­fen krie­gen. Mit­ten­drin unser Innen­mi­nis­ter, der allen immer wie­der ein­zu­re­den ver­sucht, er habe das alles so nicht gewollt…
Hey, wer schreibt das Drehbuch?


  1. Win­dows Genui­ne Advan­ta­ge, also die Echt­zeit­über­prü­fung der Rech­ner, ob sie auch über eine kor­rekt gekauf­te Win­dows-Lizenz ver­fü­gen 

  2. durch eine feh­ler­haf­te Instal­la­ti­on des Pro­gramms waren Tau­sen­de von Rech­nern tage­lang lahm­ge­legt, obwohl sie über eine kor­rek­te Lizenz ver­füg­ten 

  3. einen so genann­ten „Insi­de-Job“