Nun hat es doch eine glück­li­che (und für Drit­te sogar loh­nen­de) Wen­de genom­men: Die Pos­se um die mil­li­ar­den­schwe­re Umsatz­steu­er­for­de­rung des Münch­ner Finanz­amts. Wir erin­nern uns: eine Kiosk­be­sit­ze­rin war im letz­ten Jahr zu einer Umsatz­steu­er­zah­lung von 2,1 Mil­li­ar­den Euro auf­ge­for­dert wor­den. Da das zustän­di­ge Finanz­amt auf die Anru­fe der Betrof­fe­nen nicht reagier­te, schal­te­te sie einen Rechts­an­walt ein, der es schaff­te, dass das FA die For­de­rung auf die berech­tig­ten 108 Euro redu­zier­te.
Nun berech­net sich das anwalt­li­che Hono­rar nach der Sum­me des Streit­werts – in die­sem Fall eben 2.100.000.000 Euro – also 600.000 Euro Hono­rar.
Das for­der­te er auch prompt ein beim Finanz­amt, das sich auch dies­mal1 wie­der wei­ger­te. So kam die Sache vor den Kadi und dort einig­te man sich auf einen Ver­gleich. Eine Zah­lung an eine gemein­nüt­zi­ge Ein­rich­tung in Höhe von 15.000 Euro.
Das ist an sich schon inter­es­sant. Im Zusam­men­hang mit einer zuneh­men­den staat­li­chen Über­wa­chung und dem ver­mehr­ten Rück­griff auf com­pu­ter­ge­stütz­te Fahn­dungs­tech­ni­ken fiel mir aber die Beschrei­bung der Ursa­che auf:

Der zustän­di­ge Sach­be­ar­bei­ter im Münch­ner Finanz­amt habe ver­se­hent­lich auf dem Com­pu­ter zwei Zah­len­rei­hen mit­ein­an­der addiert. (BR-online)

Es sind also zwei Feh­ler­quel­len mög­lich:
Der Com­pu­ter. Wenn der zustän­di­ge Sach­be­ar­bei­ter von Hand addiert hät­te, wäre ihm die­ser Feh­ler auf­ge­fal­len. Das ist natür­lich Unsinn, da man auch mit aus­ge­schal­te­ter Groß­hirn­rin­de2 sinn­ent­leer­te Tätig­kei­ten wie die Addi­ti­on lan­ger Zah­len­ko­lon­nen zu Stan­de bringt.
Der Sach­be­ar­bei­ter. Er hat es nicht so gemeint, es ist eben pas­siert, so wie jeder Mensch Feh­ler macht.
Genau. Und des­we­gen traue ich der com­pu­ter­ge­stütz­ten Fahn­dung noch weni­ger als den „alten“ und mit­un­ter selt­sa­men Metho­den des Inspek­tor Wan­nin­ger3


  1. ver­ständ­li­cher­wei­se, aber eben nicht zu Recht 

  2. und viel­leicht dann sogar beson­ders gut 

  3. Wer jetzt nicht weiß, wer das ist: bit­te­schön