Nor­ma­ler­wei­se dient die­se Kolum­ne dazu, die Pro­duk­te weni­ger bekann­ter Her­stel­ler für den Mac­in­tosh vor­zu­stel­len. Heu­te aber machen wir mal eine Aus­nah­me: Zwar ist das Pro­dukt recht unbe­kannt (außer­halb der Mac-Gemein­de), aber der Her­stel­ler dafür umso mehr: Apple selbst. Nach Jah­ren der Spe­ku­la­ti­on um die Zukunft des Vete­rans »App­le­Works« gibt es seit zwei Mona­ten eine eige­ne Tabel­len­kal­ku­la­ti­on, die mal wie­der so anders ist.

Num­bers ist Teil der iWork-Sui­te. Sie umfasst neben Num­bers das Text­ver­ar­bei­tungs- und Lay­out­pro­gramm »Pages« und das Prä­sen­ta­ti­ons­pro­gramm »Key­note«. Auch die­se bei­den spie­len in ihrer jewei­li­gen Liga sehr gut mit …

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(c) Apple Inc.
Wer lan­ge Jah­re Micro­soft Excel (und ähn­li­che Pro­gram­me wie Open­Of­fice Calc, Neo­Of­fice Calc) ver­wen­det hat, kennt das Pro­blem, dass man damit zwar viel anstel­len kann, sich die Ober­flä­che zunächst mal furcht­bar abschre­ckend dar­stellt – beson­ders für Men­schen, die vor­wie­gend visu­ell arbei­ten. End­lo­se Zah­len­ko­lon­nen und -spal­ten, gemischt mit abge­schnit­te­nen Text­zel­len (es soll ja Leu­te geben, die ver­wen­den Excel auch für Adress­lis­ten und sons­ti­ge Tex­te, die eigent­lich in eine Text­ver­ar­bei­tung gehö­ren – und wun­dern sich dann über die Eigen­art, dass aus einer Vor­wahl auf ein­mal ein Datum wird): Excel for­dert eher den Hang zum Maso­chis­mus her­aus. Kei­ner arbei­tet wirk­lich ger­ne damit, son­dern betrach­tet die Ver­wen­dung als Arbeit, für die er eine ange­mes­se­ne Auf­wands­ent­schä­di­gung erwar­ten darf.

Benutzeroberfläche

Nun aber kommt mit Num­bers ein Pro­dukt, das es anders machen will. Zuge­schnit­ten auf den Durch­schnitts­an­wen­der prä­sen­tiert sich die Ober­flä­che so, wie es ich auch John Maeda in sei­nem Buch »The Laws of Sim­pli­ci­ty« vor­stellt: SHE (»Shrink, Hide, Embo­dy«). Die Benut­zer­ober­flä­che ist auf­ge­räumt, nur rele­van­te Aktio­nen sicht­bar, die Bear­bei­tungs­me­nüs sind objekt­ori­en­tiert und Aktio­nen sind in frei posi­tio­nier­ba­ren Palet­ten unter­ge­bracht. Damit bleibt der Blick frei auf die Seite.

Im Gegen­satz zu ande­ren Tabel­len­kal­ku­la­tio­nen, die sich nie wirk­lich von Lotus 1-2-3 haben lösen kön­nen (Lotus 1-2-3 erschien 1983, Micro­soft nahm sich das Pro­gramm als Vor­bild und ver­kauf­te Excel ab 1985 zuerst für Mac­in­tosh, ab 1987 auch für Win­dows), ist Num­bers auf die visu­el­le Auf­be­rei­tung von Daten­ko­lon­nen aus­ge­legt. Die Sei­te ist daher zunächst leer und kann mit belie­big vie­len Tabel­len gefüllt wer­den, die ein­zeln for­ma­tiert wer­den kön­nen. Neben Tabel­len kön­nen aber auch Bil­der oder Dia­gram­me ein­ge­bun­den werden.

Die Benut­zer­ober­flä­che von Num­bers: oben die Menüs, links die Navigationsleiste

Seiten und Tabellen

Die Sei­ten ein­schließ­lich der dar­in vor­han­de­nen Tabel­len fin­den sich in der lin­ken Navi­ga­ti­ons­leis­te wie­der und kön­nen natür­lich frei ver­scho­ben wer­den – sowohl Tabel­len auf ande­re Sei­ten als auch Sei­ten selbst neu sor­tiert –, ohne dass dabei der Zel­len­be­zug ver­lo­ren geht. Mit­ge­lie­fert wer­den eine Hand voll Vor­la­gen guter Qua­li­tät, die man anpas­sen und als neu­en oder geän­der­ten Stil auf­neh­men kann. Damit blei­ben alle Tabel­len ein­heit­lich formatiert.

Funktionen

Knapp 200 Rechen­funk­tio­nen sind in Num­bers ent­hal­ten, das sind etwa zwei Drit­tel der in Excel mög­li­chen. Da kei­ne wis­sen­schaft­li­chen For­meln vor­kom­men, deckt Num­bers damit so ziem­lich alle Funk­tio­nen ab, die im nicht-wis­sen­schaft­li­chen Bereich vor­kom­men. Alle Rechen­funk­tio­nen oder sta­tis­ti­sche Funk­tio­nen, die der nor­ma­le Benut­zer benö­ti­gen könn­te, sind an Bord.

Diagramme

Hier kann Num­bers sei­ne Stär­ke aus­spie­len: die Visua­li­sie­rung von Infor­ma­tio­nen. Nach­dem sich mit zwei Maus­klicks die Tabel­len in ansehn­li­che (und vor allem über­sicht­li­che) Daten ver­wan­delt haben, mar­kiert man mit dem Maus­zei­ger die gewünsch­te Zah­len­ko­lon­ne (oder natür­lich die bei­den, damit auch bei­de Dia­gram­mach­sen gefüllt wer­den und plat­ziert ein Dia­gramm. Ob Tor­te, Linie mit und ohne Schat­ten, 3D oder 2D – Num­bers kenn­zeich­net die aus­ge­wähl­ten Zel­len unter­schied­lich far­big und legt ein pas­sen­des Dia­gramm dane­ben. Die­se lässt sich dann frei ska­lie­ren, dre­hen, farb­lich anpas­sen und auf­hüb­schen, so dass in Win­des­ei­le eine stim­mi­ge und selbst­ver­ständ­lich inhalt­lich ver­knüpf­te Infor­ma­ti­on ent­steht. Sel­ten habe ich so ger­ne Tor­ten­dia­gram­me angefertigt …

Import/​Export

Num­bers ver­steht sich auf den Import und Export von Excel (bis 2007, aller­dings ohne den Zah­len­feh­ler, den Excel 2007 in der Dar­stel­lung plagt) und CSV (Com­ma sepa­ra­ted values, die Daten sind als ein­fa­che Zah­len­ko­lon­nen mit jedem ande­ren Pro­gramm auf­zu­be­rei­ten, aller­dings ohne Rechenfunktionen).

Beim Import von Excel-Tabel­len, die jede ohne Ver­lust ihrer Funk­tio­na­li­tät auf jeweils eine Sei­te gescho­ben wer­den, gehen aller­dings die Hyper­links ver­lo­ren. Inner­halb eines ein­zi­en Doku­ments mit zahl­rei­chen Tabel­len ist das zu ver­schmer­zen, da die Links nur als Navi­ga­ti­ons­hil­fe die­nen, die auf­grund der eige­nen Navi­ga­ti­ons­leis­te über­flüs­sig wird. Bei Links auf exter­ne Tabel­len ist Vor­sicht ange­bracht. Ich hebe mir für sol­che Fäl­le immer eine Ver­si­on des (kos­ten­lo­sen) Kal­ku­la­ti­ons­pro­gramms Neo­Of­fice Calc bzw. Open­Of­fice Calc auf, die zwar in ihrem Hand­ling extrem schwer­fäl­lig sind (wegen der Ähn­lich­keit mit Excel), aber für die Bear­bei­tung und Rück­ga­be exter­ner Excel-Datei­en ori­gi­nal­ge­treu­er arbeiten.

Fazit

Auch wenn es das Pro­gramm erst seit weni­gen Mona­ten gibt, ist Num­bers für den Heim­an­wen­der und durch­schnitt­li­chen Tabel­len­kal­ku­la­ti­on-Geplag­ten eine wah­re Arbeits­er­leich­te­rung. Noch nie haben mir Zah­len­ko­lon­nen so viel Spaß gemacht. Das mag jetzt für einen Excel-Künst­ler abschre­ckend sein, ist aber so: Man kann auch beim Zah­len­schub­sen Freu­de haben. Dazu braucht man aller­dings einen Mac.