Mea Cul­pa. Obwohl Ado­be immer wie­der beteu­ert hat­te, sie ent­wi­ckel­ten FM wei­ter, hat­te ich dem nicht geglaubt. Das Gegen­teil ist wahr: Ado­be hat den Frame­ma­ker auf Uni­code umgestellt.

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End­lich. Vor zwei Jah­ren hat­te ich noch ora­kelt, dass es kei­nen Frame­ma­ker 8 mehr geben wür­de (sie­he „Sone Tün­nes„) – ich lag dane­ben. Auch wenn jetzt kaum ein Frei­be­ruf­ler davon pro­fi­tiert, weil er sei­ne Doku­men­te nach wie vor in der eige­nen Spra­che schreibt, bedeu­tet doch der Uni­code-Sup­port im Über­set­zungs­pro­zess eine erheb­li­che Kos­ten­ein­spa­rung. Damit wird auch klar, wer die Ziel­grup­pe für FM ist. Frame­Ma­ker ist gemacht für gro­ße Dienst­leis­ter und Unter­neh­mens­ab­tei­lun­gen, die den Umstieg auf Word (das zwar Uni­code beherrscht, in der Pro­duk­ti­on umfang­rei­cher Doku­men­te nach wie vor sehr unzu­ver­läs­sig ist) nun noch­mals über­den­ken sollten.

Aber gleich vor­weg: Was Ado­be als Frame­Ma­ker 8 zur Zeit eher klamm­heim­lich auf den Markt wirft, ist bes­ten­falls eine „rc“-Version, ein „Release Can­di­da­te“, der im täg­li­chen Ein­satz erst nach Behe­bung schwer­wie­gen­der Bugs ver­wen­det wer­den soll­te. Der für mich dra­ma­tischs­te Feh­ler ist die Tat­sa­che, dass Frame­Ma­ker nicht in der Lage ist, ungetagg­te PDF zu erstel­len. Bei der PDF-Erstel­lung (die nicht wie bei den Pro­gram­men der CS3 über die ein­ge­bau­te PDF-Biblio­thek erfolgt, son­dern nach wie vor über eine kas­trier­te Distil­ler-Ver­si­on) ver­sagt das Pro­gramm sei­nen Dienst, sobald das Tag­gen nicht akti­viert ist. Es wird dann zwar eine tem­po­rä­re Post­Script erstellt, aller­dings mach der Distil­ler die Grät­sche, sobald er auf den ers­ten Hyper­link (z.B. in einem Inhalts­ver­zeich­nis) stößt. Das darf nicht passieren.

Damit haben wir den mei­nes Erach­tens gröbs­ten Schnit­zer schon hin­ter uns – wei­te­re Schnit­zer fin­det man in der Frame­Ma­ker-Spar­te bei „Hilf­Dir­selbst“ (nicht bei den Adobe-Foren).

Frame­Ma­ker 8 mit Par­al­lels und gemischt­spra­chi­gen Texten/​Dateien

Ansonsten gibt es nur Positives zu berichten:

  • Die Zusam­men­ar­beit mit Par­al­lels klappt bes­ser, da FM nun auch die Datei­en öff­net, die im Fin­der dop­pelt geklickt werden,
  • die Uni­code-Unter­stüt­zung ist wirk­lich umfassend,
  • alle Frame­Scripts laufen,
  • ins­ge­samt ist die „gefühl­te Geschwin­dig­keit“ beim Öff­nen gra­fik­las­ti­ger Doku­men­te (Illus­tra­tor-EPS) etwas höher,
  • dem läs­ti­ge Redu­zie­ren der Doku­men­te auf die But­ton­leis­te (ein Bei­spiel für die voll­stän­di­ge Igno­ranz des „Fitt’s Law“) wird durch eine neue Tabu­la­tor­leis­te ent­ge­gen­ge­wirkt – aller­dings nicht ganz durch­dacht, denn Tabu­la­to­ren, die nicht mehr ins Fens­ter pas­sen, wer­den nicht per Auf­klapp­fens­ter ange­zeigt, son­dern müs­sen mit Drei­eck­sym­bo­len durch­wühlt wer­den. Aber das ist viel­leicht nur ein Her­um­mä­keln eines Mac-Users…
  • die Modul­fens­ter (Suchen&Ersetzen, Aus­wahl der Bedin­gungs­for­ma­te etc.) wur­den in ihrer Grö­ße fixiert (bis­lang konn­te man zwar die Fens­ter­grö­ße ver­än­dern, nicht aber den Inhalt). Der Inhalt bleibt damit zwar immer noch zu klein, aber immerhin.
  • über den Trick neu­er Bedin­gungs­for­ma­te wur­de auch das Über­ar­bei­ten und Ändern der Inhal­te erwei­tert. Bis­lang gab es nur seit­li­che Bal­ken, die die Ände­rungs­stel­len im Text anzeig­ten, jetzt kann man wirk­lich von Ände­rung zu Ände­rung navi­gie­ren, die­se über­neh­men oder ver­wer­fen. Viel prak­ti­scher, wenn meh­re­re Auto­ren an einem FM-Doku­ment arbei­ten. Das ist zwar längst nicht so anspre­chend und infor­ma­tiv wie in Word oder Pages, aber nun ja.

Fazit

Nach vier Jah­ren des Still­stands und der kom­plet­ten Ver­nach­läs­si­gung ihrer wahr­schein­lich mäch­tigs­ten Publi­shing­lö­sung hat Ado­be den Anschluss an die Rea­li­tät gefun­den. Wenn jetzt auch noch das voll­kom­men anti­quier­te Inter­face nach ergo­no­mi­schen Anfor­de­run­gen über­ar­bei­tet wird (was die Pro­duk­ti­vi­tät erfah­rungs­ge­mäß um 30 bis 50% erhöht) und vor allem die Feh­ler­be­rei­ni­gung vor­ge­nom­men wird, kann man FM 8 tat­säch­lich wei­ter­hin ein­set­zen und für neue Pro­jek­te in Betracht ziehen.