Für den pro­fes­sio­nel­len und ambi­tio­nier­ten Viel­schrei­ber gab es zu den alten Vor-OS X-Zei­ten auf dem Mac eigent­lich kaum ein ande­res Werk­zeug als Nisus Wri­ter. Das ist lan­ge her. Mitt­ler­wei­le läuft die Clas­sic-Umge­bung nicht mehr auf den neu­en Macs. Nisus Soft­ware hat daher schon recht früh eine »Express«-Version, die zu einer zuver­läs­si­gen 2 her­an­ge­reift ist. Das aber war nicht genug.

Neue Features

Huren­kind (sie­he auch Wiki­pe­dia)
Als Huren­kind wird die letz­te Zei­le eines Absat­zes bezeich­net, wenn sie zugleich die ers­te einer neu­en Spal­te oder Sei­te ist. Huren­kin­der gel­ten in der Typo­gra­phie als schwe­rer hand­werk­li­cher Feh­ler, da sie die Kon­tu­ren des Satz­spie­gels beson­ders stark beein­träch­ti­gen.

Schus­ter­jun­ge (sie­he auch Wiki­pe­dia)
Wenn eine Sei­te oder Spal­te nach der ers­ten Zei­le eines neu­en Absat­zes umbro­chen wird, so wird die­se allein am Ende der Sei­te oder Spal­te ste­hen­de Zei­le als Schus­ter­jun­ge bezeich­net. Der Schus­ter­jun­ge gilt gegen­über dem Huren­kind als weni­ger gra­vie­ren­der Feh­ler und fällt beson­ders dann auf, wenn Absät­ze mit Ein­zug gesetzt wer­den.

Wei­te­re Links

Down­load

Seit eini­gen Mona­ten ist nun die »auf­ge­bohr­te« Pro-Ver­si­on auf dem Markt. Sie ent­hält fast wie­der alle Eigen­schaf­ten des alten Nisus Wri­ter, nur viel bes­ser: Hin­zu­ge­kom­men ist eine Lese­zei­chen­leis­te ähn­lich der Navi­ga­ti­ons­leis­te in MS Word. Der Unter­schied besteht aller­dings dar­in, dass sich nicht nur wie in Word die Über­schrif­ten als Navi­ga­ti­ons­hil­fe dar­in wie­der fin­den las­sen, son­dern alter­na­tiv auch selbst defi­nier­te Lese­zei­chen. Wer lan­ge Text schreibt, weiß die Mög­lich­keit zu schät­zen, schnell auf die Text­stel­le sprin­gen zu kön­nen – noch dazu, wenn sich die Lese­zei­chen nicht nur in der Rei­hen­fol­ge ihres Auf­tre­tens im Test, son­dern auch alpha­be­tisch sor­tiert anzei­gen las­sen.

Geblie­ben sind die Schub­la­den mit den For­ma­tie­rungs- und Text­be­ar­bei­tungs­pa­let­ten, die sich frei grup­pie­ren und nach per­sön­li­chen Vor­stel­lun­gen zusam­men stel­len las­sen. Hin­zu gekom­men sind die bei­den Palet­ten für die Erstel­lung eines Inhalts­ver­zeich­nis­ses und eines Inde­xes. Für das gera­de ver­wen­de­te Absatz­for­mat (»Stil«) lässt sich per Auf­klapp­me­nü die Hier­ar­chie­ebe­ne im Inhalts­ver­zeich­nis fest­le­gen.

Sti­le bau­en hier­ar­chisch auf, d.h. man legt wie in den ech­ten Lay­out­pro­gram­men die Grund­ei­gen­schaf­ten der Brot­schrift fest und kann dar­auf auf­bau­end die spe­zi­fi­schen Eigen­schaf­ten defi­nie­ren. Eine Ände­rung der Grund­ein­stel­lun­gen wirkt sich dann auf alle Sti­le aus, die dar­auf beru­hen.

Eine wei­te­re Lay­ou­t­ei­gen­schaft sind die Ein­stel­lun­gen für Huren­kin­der und Schus­ter­jun­gen, also Absät­ze, die unglück­lich am Sei­ten­en­de umbre­chen und ent­we­der eine letz­te Zei­le am Sei­ten­en­de oder am Sei­ten­an­fang ste­hen las­sen (sie­he auch Info rechts). Das legt man ent­we­der für Sti­le glo­bal fest oder für ein­zel­ne Absät­ze. Dar­über hin­aus kann für jeden Absatz geson­dert bzw. jeden Stil defi­niert wer­den, ob er mit dem fol­gen­den zusam­men gehal­ten wer­den soll. Dies ist bei Über­schrif­ten wich­tig, damit sie nicht als Schus­ter­jun­ge auf einer Sei­te blei­ben, wenn der fol­gen­de Text auf die nächs­te rutscht.

Gra­fi­ken sind nun frei plat­zier­bar und kön­nen hin­ter dem Text ste­hen als auch umflos­sen wer­den. Lei­der sind sie immer noch nicht refe­ren­zier­bar, sofern müs­sen ein­ge­bet­tet wer­den was die Datei­grö­ße erheb­lich ver­grö­ßern kann. Eine Aus­nah­me bil­det da die »LinkBack«-Funktion (sie­he rechts): Eine Gra­fik, die in einem dazu kom­pa­ti­blen Pro­gramm erstellt wur­de (z.B. Omni­Graff­le) kann durch Dop­pel­klick in dem Pro­gramm wie­der geöff­net und bear­bei­tet wer­den (ähn­lich dem OLE-Ansatz für MS Office-Pro­gram­me bzw. »Open­Doc« auf Mac­in­tosh (sie­he rechts).

Der Document Manager

Nisus­Wri­ter ver­fügt auch in der Express-Ver­si­on über einen so genann­ten »Docu­ment Mana­ger«, der den schnel­len Zugriff auf alle Doku­men­te erlau­ben soll. Das Pro­blem dabei ist, dass alle Doku­men­te auto­ma­tisch in den gleich­na­mi­gen Ord­ner kopiert wer­den, so dass eine Zuord­nung zu bestimm­ten Pro­jek­ten nicht mög­lich ist bzw. immer zwei Ver­sio­nen auf der Fest­plat­te »leben«.

Um das Pro­blem zu lösen, habe ich ein klei­nes Apple-Script gebas­telt (sie­he rechts), das einen Ali­as es aus­ge­wähl­ten Doku­ments in den Docu­ment Mana­ger legt. Dadurch wird zwar das Doku­ment kor­rekt im Docu­ment Mana­ger ange­zeigt (aller­dings nur das Ände­rungs­da­tum des Ali­as, nicht des Ori­gi­nals), kann aber an sei­nem ihm zuge­dach­ten Ort ver­blei­ben.

Im Einsatz

Mit dem Erschei­nen von Nisus Wri­ter Pro habe ich die Erstel­lung von kur­zen Soft­ware­do­ku­men­ta­tio­nen von Word auf Nisus Wri­ter Pro umge­stellt: Kei­ne Pro­ble­me bei der Absatz­num­me­rie­rung, kei­ne 123 auto­ma­ti­sche Absatz­for­ma­te mehr, die Word unge­fragt dazu packt in der Hoff­nung, dass sie auch irgend­wann beach­tet wer­den (die kon­trol­lier­te For­ma­tie­rung wird durch die­se Flut unge­mein erschwert), kei­ne wild­ge­wor­de­nen Abschnitt­wech­sel in der Kopf- oder Fuß­zei­le. Das gan­ze auf dem Mac als Uni­ver­sal-Appli­ka­ti­on (läuft nativ sowohl auf Power­PC- als auch auf Intel-Macs) mit durch­dach­ter Benut­zer­ober­flä­che rat­ten­schnell zu einem Spott­preis von 80 US-Dol­lar als Down­load.