Nach­dem sich Ado­be aus betriebs­wirt­schaft­li­chen (nicht tech­no­lo­gi­schen) Grün­den dage­gen ent­schie­den hat­te, das unge­lieb­te eige­ne Kind namens »Frame­Ma­ker« für den Mac wei­ter zu ent­wi­ckeln, und statt des­sen nur die ursprüng­li­che Unix-Ver­si­on und die am wei­test ver­brei­te­te Ver­si­on für Win­dows zu wei­ter zu füh­ren, stell­ten auch die Ent­wick­ler der Plug-Ins ihre Unter­stüt­zung für den Mac ein.

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Allen vor­an Frame­Script, so dass die meis­ten Auto­ma­tis­men und Funk­tio­nen, die Ado­be selbst nicht zu imple­men­tie­ren schaff­te, nur noch auf der Win­dows-Platt­form lau­fen. Mit dem Umstieg App­les weg von den ener­gie­ef­fi­zi­en­ten, aber rela­tiv »unter­mo­to­ri­sier­ten« Pro­zes­so­ren der Power­PC-Fami­lie hin zu den Core Duo-Ein­hei­ten der Fir­ma Intel lief auch die Unter­stüt­zung des klas­si­schen Mac OS 9 auf dem Mac aus. – Mit einem Satz: Der Mac-User, der sich einen neu­en Mac mit den Intel-Pro­zes­so­ren zulegt, muss auf Frame­Ma­ker in der Win­dows-Vari­an­te aus­wei­chen.

Das bedeu­tet, ein Win­dows Betriebs­sys­tem zu instal­lie­ren und den Frame­Ma­ker in einer vir­tu­el­len Umge­bung auf dem Mac lau­fen zu las­sen. Das geht, fra­gen Sie? Sogar recht gut, sieht man von den klei­nen Frame­Ma­ker-Macken ab.…

Die Vorbereitung

Zunächst gilt es, sich die erfor­der­li­che Soft­ware zu besor­gen:

  • ein Betriebs­sys­tem (Win­dows XP, am bes­ten mit Ser­vice Pack 2),
  • eine Vir­tua­li­sie­rungs­soft­ware, die dem Gast­be­triebs­sys­tem einen kom­plet­ten Rech­ner vor­gau­kelt (hier Par­al­lels Desk­top for Mac, Ver­si­on 3.0),
  • und natür­lich den Frame­Ma­ker Win­dows als Cross­gra­de (platt­form-über­grei­fen­des Upgrade von Ver­si­on 7.0 Mac­in­tosh auf 7.2 Win­dows),
  • und eine neue Ver­si­on von FrameScript/​ElmScript für Win­dows.

Das Gan­ze wird instal­liert auf einem Mac­Book Pro mit einem Core 2 Duo Pro­zes­sor mit 2,4 GHz und 4 GB Arbeits­spei­cher (den brau­chen Sie, wenn wäh­rend der Pro­duk­ti­on neben Mac OS X mit Illus­tra­tor, Acro­bat und diver­sen ande­ren Pro­gram­men auch Win­dows XP mit Frame­Ma­ker lau­fen soll). Die Instal­la­ti­on ist ein Kin­der­spiel: Par­al­lels down­loa­den, instal­lie­ren, star­ten und Win­dows XP nach­schie­ben. Dann die Trans­fer-Erwei­te­run­gen ins Win­dows kopie­ren und Frame­Ma­ker instal­lie­ren. Jetzt nur noch die neu­es­ten Patches laden und XP akti­vie­ren. Fer­tig.

Jetzt noch die Ein­stel­lun­gen des vir­tu­el­len Rech­ners modi­fi­zie­ren: Wir geben ihm mal für den Anfang 970 MB RAM und set­zen den Gra­fik­spei­cher auf 64 MB. Für Frame­Ma­ker reicht das. Die Netz­werk­ein­stel­lun­gen und den Dru­cker soll er sich vom Mac holen, so dass damit das Sys­tem eigent­lich fer­tig kon­fi­gu­riert ist.

Win­dows XP mit Frame­Ma­ker 7.2 auf dem Mac

Die Virtualisierung

Im Gegen­satz zu einer Emu­la­ti­on, wie sie frü­her auch von Micro­soft als »Vir­tu­alPC« für den Mac ver­kauft wur­de, wird nicht per Soft­ware ein i386-Pro­zes­sor nach­emp­fun­den (das lief nur unter erheb­li­chen Geschwin­dig­keits­ein­bu­ßen), son­dern das Gast-Betriebs­sys­tem (hier Win­dows XP, es könn­te aber auch Linux oder UNIX oder OS/​2 sein) durch eine vir­tu­el­le Par­ti­ti­on vom Haupt­be­triebs­sys­tem getrennt. Win­dows greift damit mit nur unwe­sent­li­chen Ein­bu­ßen (< 5%) direkt auf die Hard­ware zu. Von der Vir­tua­li­sie­rungs­soft­ware wer­den ihm nur die Trei­ber für den Bild­schirm, die Maus und die Tas­ta­tur »unter­ge­scho­ben«. Der Vor­teil der Vir­tua­li­sie­rung ist daher neben der nati­ven Geschwin­dig­keit bei­der Betriebs­sys­te­me die voll­stän­di­ge Nut­zung der Doku­men­te auf der Fest­plat­te des Mac­in­tosh. Ein Kopie­ren ent­fällt …

Dar­über hin­aus benutzt Par­al­lels in der Ver­si­on 3 auch die Mög­lich­keit, dass aus bei­den Betriebs­sys­tem her­aus die Doku­men­te mit dem dazu pas­sen­den Pro­gramm geöff­net wer­den kön­nen (»Smart Select«). Wählt man bei­spiels­wei­se im Win­dows Explor­er® eine EPS aus um sie zu öff­nen, star­tet auto­ma­tisch Ado­be Illus­tra­tor auf dem Mac­in­tosh und öff­net das Doku­ment. Das ist gera­de bei der Bear­bei­tung von Frame­Ma­ker-Doku­men­ten von Vor­teil, da man die refe­ren­zier­te EPS nur dop­pel­kli­cken muss, um sie im ande­ren Betriebs­sys­tem zu bear­bei­ten. Die­ser Aus­tausch funk­tio­niert in bei­de Rich­tun­gen, so dass hier die Gren­zen der Betriebs­sys­te­me fast völ­lig ver­schwin­den.

Und FrameMaker?

Das ein­zi­ge Pro­gramm, dass damit Schwie­rig­kei­ten hat, ist aus­ge­rech­net Frame­Ma­ker, denn er star­tet zwar, wenn man auf dem Mac eine *.fm-Datei dop­pel­klickt, mel­det aber dann, er kön­ne die Datei nicht fin­den. Frame­Ma­ker-Doku­men­te müs­sen daher im Win­dows Explo­rer geöff­net wer­den.

Da das Gast-Betriebs­sys­tem in Win­dows als ein ange­schlos­se­nes Netz­lauf­werk erscheint, hat Frame­Ma­ker auch eine gewis­se Zähig­keit beim Öff­nen gra­fik­las­ti­ger Doku­men­te. Wer schon ein­mal mit Frame­Ma­ker eine Sei­te mit einer refe­ren­zier­ten 16 MB gro­ßen EPS übers Netz­werk geöff­net hat, weiß wovon ich spre­che. Sind alle Buch­da­tei­en ein­mal geöff­net, geht er jedoch mit rasen­der Geschwin­dig­keit zu Wer­ke: Suchen & Erset­zen in einem Buch mit 200 Sei­ten geht schnel­ler als man die Maus­tas­te los­lässt.

Dane­ben hat er noch die Pro­ble­me der platt­form­über­grei­fen­den Kom­pa­ti­bi­li­tät: Das Grad­zei­chen (°) wur­de in der Ver­si­on 7.2 auf eine ande­re Stel­le der Code­page ver­legt, so dass man nach­ar­bei­ten muss.

Und natür­lich das lei­di­ge Pro­blem der Far­ben: Frame­Ma­ker Win­dows kann kein CMYK, so dass die pro­du­zier­ten PDF durch die Kon­ver­tie­rung in den Win­dows-eige­nen sRGB-Farb­raum auf dem Mac zu knal­lig wir­ken. Dem lässt sich aber durch eine Neu­zu­ord­nung des ICC-Farb­pro­fils (ISO Fogra) im Ado­be Distil­ler leicht nach­hel­fen.

Alles in Allem macht jetzt sogar Win­dows Spaß, auch wenn es einem als Mac-User ein biss­chen rück­stän­dig vor­kommt …