Selbst sim­pels­te Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gram­me bie­ten dem Benut­zer heut­zu­ta­ge schier unend­li­che Mög­lich­kei­ten, sei­nen Text zu for­ma­tie­ren. Sofern man sich natür­lich mit For­ma­tie­rung aus­kennt – tech­nisch gese­hen –, und nicht alles per Hand for­ma­tiert. Das Ergeb­nis einer sau­ber ein­ge­setz­ten For­ma­tie­rung ist hohe Effi­zi­enz bei der Text­ver­ar­bei­tung.

Schnell und sicher sehen alle Über­schrif­ten einer Kate­go­rie iden­tisch aus, Ände­run­gen sind kein Pro­blem mehr (oder nur eines der Soft­ware) und Num­me­rie­rungs­pro­ble­me gehö­ren der Ver­gan­gen­heit an (nun, ja fast, unser Vete­ran Word macht im letz­ten Fall eine unrühm­li­che Aus­nah­me). Allein: tech­nisch umsetz­bar ist vie­les, typo­gra­fisch und lese­tech­nisch sinn­voll ist etwas Ande­res.

Man­gels Mut wird zwar meist auf das Mischen von Schrift­sti­len ver­zich­tet und auf die bewähr­te Ari­al oder die Times zurück gegrif­fen (Ari­al ist ja so etwas wie der Kuh­fla­den der Typo­gra­fie: jeder tritt mal rein…). Schon allein des­we­gen, weil sie ein­fach »da« sind, wenn man ein neu­es Doku­ment anlegt. Aber dann pas­siert das Unver­meid­ba­re: Es müs­sen Über­schrif­ten ange­legt wer­den, drei Ebe­nen min­des­tens. Gut, meist kann man sich mit ver­schach­tel­ter Num­me­rie­rung behel­fen – je län­ger die Zahl, des­to tie­fer ver­schach­telt. Da man aber spä­tes­tens ab der drit­ten Ebe­ne nicht nur als Leser, son­dern auch als Autor die Über­sicht ver­liert, müs­sen die Über­schrif­ten selbst neben der übli­chen »Fett«-Formatierung wei­te­re Aus­zeich­nun­gen erhal­ten.

Da nimmt man die Punkt­grö­ßen ins Visier: Fließ­text ist 12 Punkt (schon fast zu groß, aber die Times trägt zum Glück nicht auf), »Über­schrift 1« bekommt 24 Punkt, »Über­schrift 2« bekommt 18 Punkt und »Über­schrift 3« 14 Punkt zuge­teilt. (Schau­en Sie ruhig mal nach, vie­le Doku­men­te neh­men das als Stan­dard­ein­stel­lung.) Glück­li­cher­wei­se ver­grö­ßern sich auto­ma­tisch mit den Schrift­grö­ßen auch die Zei­len­ab­stän­de. Meist bemerkt man das nicht.

Nun kann es aber pas­sie­ren, dass auch die­se For­ma­tie­rung nicht aus­reicht: sei es, weil eine Über­schrift der vier­ten Ebe­ne dazu kommt, oder weil sich die Wich­tig­keit der Über­schrift ein­fach nicht so recht visua­li­sie­ren lässt. Fet­ter als fett geht nicht, also geht es auf die Ver­sa­li­en los: ALLES IN GROSSBUCHSTABEN. Gräss­lich. Stört Sie das nicht auch bei einer E-Mail, wenn jemand in Ver­sa­li­en schreibt, unech­ten meist dazu? Das ist ja so, als ob Sie stän­dig jemand anschreit.

Für ech­te Ver­sa­li­en benö­tigt man Open­Type oder Son­der­schnit­te, daher schum­meln die Pro­gram­me etwas und machen den ers­ten Buch­sta­ben eines Wor­tes um etwa 20% grö­ßer als die Übri­gen. Da graut es dem Typo­gra­phen. Schlim­mer aber fin­de ich die­sen anma­ßen­den Auf­tritt einer Über­schrift, wenn sie in Groß­buch­sta­ben daher­kommt. Ver­ste­hen Sie mich nicht falsch, Ver­sa­li­en sind typo­gra­fisch eine fei­ne Sache, bei Warn­hin­wei­sen etwa erfül­len sie genau ihren Zweck: sie sprin­gen direkt auf die Netz­haut, man kann sie nicht über­le­sen und soll es auch nicht. GEFAHR, WARNUNG, VORSICHT. Da schaut kei­ner weg.

Aber bit­te nicht infla­tio­när in den Über­schrif­ten. Ers­tens kann man Ver­sa­li­en nicht so flüs­sig lesen (sie erschwe­ren die Sac­ca­den, die Erfas­sung des Tex­tes in Sinn­ein­hei­ten) – was ja bei Sicher­heits­hin­wei­sen auch sinn­voll ist, bei Über­schrif­ten nicht). Zwei­tens wir­ken sie wich­tig­tue­risch und rücken die Erfas­sung des umlie­gen­den, also auch davor lie­gen­den Tex­tes in den Hin­ter­grund.

Und war­um über­haupt? Es gibt wei­te­re Mög­lich­kei­ten, Inhalt zu glie­dern, damit er erfass­ba­rer wird. Ganz sim­pel: Far­be und Raum. Anfangs erfor­dert dies einen gewis­sen inne­ren Abstand zum Inhalt, da neben der Ent­schei­dung für eine Schrift und die Grö­ßen der Über­schrift­klas­sen auch ein paar Über­le­gun­gen zum Farb­kon­zept gehö­ren. Die Über­schrift soll ja nicht die Sicher­heits­hin­wei­se über­strah­len. Grau (z.B. 60% schwarz) ist da ein guter Anfang. Dann die Far­be des Fir­men­si­gnets oder -logos. Dezent ein­ge­setzt (sofern es kein Rot­ton ist), wirkt sie auch her­vor­he­bend.

Aber noch wich­ti­ger ist der Raum. Die Erfas­sung des Inhalts, ja sogar Text an sich ist nichts wert ohne den Weiß­raum drum­her­um. Ein »I« ist nur dadurch kein Strich »|«, weil der Weiß­raum anders ver­teilt ist. Die Über­schrift fällt nicht des­we­gen als Über­schrift auf, weil wir sie beson­ders groß und fett machen, son­dern weil sie einen grö­ße­ren Abstand zum umlie­gen­den (vor allem davor lie­gen­den) Text hat. Pro­bie­ren Sie es aus: Schrei­ben sie zehn Zei­len, dann zwei Leer­zei­len, dann eine ein­zi­ge Zei­le, dann eine Leer­zei­le und wie­der zehn Zei­len Text. Was immer Sie schrei­ben, jeder Leser geht davon aus, dass die ein­zel­ne Zei­le in der Mit­te eine Über­schrift ist. Auch ohne Aus­zeich­nung.

Nun for­ma­tiert man natür­lich nicht mit Leer­zei­len, aber die Idee dahin­ter ist die glei­che: Geben sie dem Text Raum zum Leben, for­ma­tie­ren Sie weni­ger mit Schrift­schnit­ten und -grö­ßen, son­dern pro­bie­ren Sie mit Abstän­den, mit Raum.