Wir sind ein Land der Den­ker. Inno­va­ti­on ist uns in die Wie­ge gelegt. Das mer­ke ich bei mei­nen Kin­dern immer wie­der. Inno­va­ti­on kann man nicht ler­nen, man kann Men­schen nicht dazu erzie­hen, inno­va­tiv zu sein, schon gar nicht unter Druck. Inno­va­ti­on ist ein krea­tür­li­cher Pro­zess, der ein Umfeld benö­tigt, das ihm Raum lässt.

Auf den Schul­tern von Rie­sen
aus Wiki­pe­dia, der frei­en Enzy­klo­pä­die
Man kann das Gleich­nis Auf den Schul­tern von Gigan­ten zum einen auf Bern­hard von Char­tres um 1130 zurück­füh­ren, der dabei angeb­lich ein Zitat von Lucan auf­griff: Pig­ma­ei gigan­tum hume­ris impo­si­ti plus­quam ipsi gigan­tes vident (Auf die Schul­tern von Rie­sen gestell­te Pyg­mä­en sehen mehr als die Rie­sen selbst).

Inno­va­ti­on
aus Wiki­pe­dia, der frei­en Enzy­klo­pä­die
Inno­va­ti­on heißt wört­lich „Neue­rung“ oder „Erneue­rung“. Das Wort ist von den latei­ni­schen Begrif­fen novus „neu“ und inno­va­tio „etwas neu Geschaf­fe­nes“ abge­lei­tet. Im Deut­schen wird der Begriff heu­te im Sin­ne von neu­en Ide­en und Erfin­dun­gen sowie für deren wirt­schaft­li­che Umset­zung ver­wen­det.

Fund­stel­len im Netz zum The­ma:

Lei­der ist der Begriff der Inno­va­ti­on bereits besetzt mit Wirt­schaft­lich­keits­er­wä­gun­gen, mit Mach­bar­keits­den­ken; besetzt von Leu­ten, die als abhän­gig Beschäf­tig­te – also ohne unter­neh­me­ri­sches Risi­ko – eigent­lich mit Inno­va­ti­on so gar nichts zu tun haben. Mit dem Begriff der Inno­va­ti­on ver­die­nen irr­sin­nig wenig Men­schen irr­sin­nig viel Geld, indem sie Ent­schei­dun­gen fäl­len, die irr­sin­nig vie­le Men­schen um ihre Beschäf­ti­gung brin­gen, um am Ende irr­sin­nig wenig pro­du­ziert zu haben, das die Mensch­heit wirk­lich braucht.

Was Inno­va­ti­on aber wirk­lich bedeu­tet, zeigt das fol­gen­de Bei­spiel. Ich habe die Unter­hal­tung mit mei­nen zwei Kin­dern im Spiel­zim­mer nach­ge­stellt.

Jonas (2 Jah­re, der Inge­nieur der Fami­lie) kommt mit einem Kon­strukt aus Lego in der Hand zu mir: »Papa, tuck mal: Ich habe eine Ahz­nei­boh­ma­schi­ne!«

Es sieht aus wie ein Turm mit einem lan­gen Arm oben auf. Außer­dem hat er Pro­ble­me bei der Aus­spra­che des »R«. Liegt ver­mut­lich am Schnul­ler, den er mor­gens nicht aus dem Mund nimmt. Immer noch bes­ser als der Dau­men, denn dann könn­te er nicht bau­en.

Papa: »Das ist ja ein tol­les Ding. Was machst Du denn damit?«

Johan­na (5 Jah­re, Crea­ti­ve Direc­to­rin der Fami­lie): »Hihi, eine Arz­nei­bohr­ma­schi­ne! Das sieht ja komisch aus!«

Sie schaut manch­mal her­ab­las­send auf die hand­werk­li­chen Fähig­kei­ten ihres Bru­ders her­ab. Dazu hat sie kaum Grund, denn sie hat­te fast ein Jahr län­ger gebraucht, um zu ver­ste­hen, wie man eine Kas­set­te in den Kas­set­ten­re­kor­der ein­setzt. Geschwei­ge denn zu ver­ste­hen, was man tun muss, wenn die Sei­te abge­lau­fen war. Dafür ist sie eine her­vor­ra­gen­de Zeich­ne­rin. Mit ande­ren Wor­ten: Born to design.

Jonas: »Damit tann man bohen!«

Papa: »Und was bohrst Du damit?«

Jonas: »Ich bohe damit Wän­de!«

Johan­na, die Idee auf­grei­fend: »Bohrst Du nach Arz­nei?«

Jonas: »Ja, ich spit­ze in die Wand.«

Ver­mut­lich hat er mal mit­be­kom­men, dass man Bohr­was­ser neh­men kann, damit der Boh­rer nicht über­hitzt. Ver­dammt, soll­te die Sen­dung mit der Maus die­se Wir­kung haben?

Papa (immer noch skep­tisch): »Aha. Und dann?«

Dies­mal Johan­na: »Ja, dann spritzt man in die Wand, damit der Schmutz beim Boh­ren zusam­men­klebt. Den kann man dann sam­meln und zu klei­nen Kugeln for­men, in die man ein Loch bohrt und eine Ker­ze hin­ein­setzt. Die zün­det man an. Wenn man nun hus­tet, flie­gen die Bak­te­ri­en in das Licht hin­ein, lau­fen in der Ker­ze hin­un­ter bis in die Kugel, wo sie fest­kle­ben und ster­ben.« Das war eigent­lich schon das kom­plet­te Design.

Papa: »Das hört sich ja ganz doll an. Wie sieht denn das aus? Kannst Du das auf­zeich­nen? Ich baue mit Jonas mal den Pro­to­ty­pen neu zusam­men.« In der Zwi­schen­zeit war Jonas bei den ers­ten Feld­ver­su­chen das Kon­strukt aus­ein­an­der gefal­len. Zu Jonas: »Was brau­chen wir denn für die Arz­nei­bohr­ma­schi­ne?«

Jonas: »Einen Dücker zum Ein­schal­ten. Und einen Motoh, aber nur ein lei­ser.« Er fürch­tet sich vor lau­ten Maschi­nen, im Tief­bau wird er daher ver­mut­lich nie glück­lich wer­den.

Papa: »Den Schal­ter brau­chen wir, aber Du meinst sicher eine Pum­pe, damit wir das Spritz­was­ser her­aus­sprit­zen kön­nen?« Ich muss ihm schon ein wenig hel­fen, sonst lernt er nur die fal­schen Sachen. Immer­hin kann man sich als Inge­nieur nur durch Fach­wis­sen Respekt ver­schaf­fen. »Bevor wir das bau­en, zeich­ne ich das auf. Du kannst mir dann sagen, wo ich das hin­malen soll.« Jetzt gehen wir in die Kon­struk­ti­on.

In der Zwi­schen­zeit hat Johan­na die ers­te Sei­te fer­tig gestellt, da fällt ihr ein, dass die gesam­te Pro­duk­ti­ons­ket­te noch nicht fer­tig ist. Sie nimmt ein neu­es Papier und erklärt mir, was sie da malt.

Ich habe anhand die­ser Erklä­run­gen das Draft ein­ge­scannt und stel­le es hier­mit der Mensch­heit unter den Bedin­gun­gen der GPL zur Ver­fü­gung. So wie es sich gehört. Schließ­lich ste­hen wir alle auf Schul­tern von Rie­sen.