Da isser nun, der neue Frame­Ma­ker. Es hat lan­ge gedau­ert, denn im Gegen­satz zu den Flagg­schif­fen der Fir­ma Ado­be (Acro­bat und Pho­to­shop) ist die Benut­zer­ba­sis des DTP-Vete­rans zwar groß, aber auch gedul­di­ger.

Für Mac OS X-Benut­zer ist es ein schwa­ches Trost­pflas­ter, dass Frame­Ma­ker zwar auch wei­ter­hin nur im Clas­sic-Modus funk­tio­niert, dafür aber das Icon voll Aqua-taug­lich ist.Nebenbei: Web­Works Publisher Stan­dard Edi­ti­on in der Ver­si­on 7 expor­tiert Frame­Ma­ker-Datei­en nun auch als Micro­soft Reader- und Palm Reader Doku­men­te.

Was lan­ge währt, kann aber auch gut wer­den, sagt der Volks­mund. Ob das wirk­lich so ist und wem das Update etwas bringt, wol­len wir uns mal genau­er anschau­en. (Bei den fol­gen­den Über­le­gun­gen han­delt es sich um einen ers­ten Ein­druck, nicht um eine abschlie­ßen­de Bewer­tung.)

Frame­Ma­ker wird zwar bevor­zugt in Unter­neh­men ein­ge­setzt, die auf struk­tu­rier­te Doku­men­ta­ti­on Wert legen (müs­sen), aber auch von Dienst­leis­tern in der tech­ni­schen Doku­men­ta­ti­on, deren Kun­den sich kei­ne umfang­rei­chen Doku­men­ten­ma­nage­ment­sys­te­me inklu­si­ve SGML-Umge­bung leis­ten kön­nen oder wol­len.

Die Frame­Ma­ker-Benut­zer fan­den sich daher immer auf zwei Schlacht­fel­dern wie­der:

  • der nor­ma­le Benut­zer, der die Auto­ma­ti­sier­bar­keit und Pro­duk­ti­ons­si­cher­heit schätzt (Buch­funk­tio­nen, PDF-Aus­ga­be, Tem­pla­tes), und dem Frame­Ma­ker ohne SGML aus­reicht
  • der Struk­tur­pro­fi, der ohne EDD nicht leben kann und/​oder in grö­ße­ren Unter­neh­men die dort vor­han­de­nen DMS ein­schließ­lich der struk­tu­rier­ten Doku­men­ta­ti­on nutzt.

Ers­te­rem war meist auch die „+SGML“-Variante zu teu­er und zu umständ­lich, da sie eine voll­kom­men ande­re Her­an­ge­hens­wei­se an eine Doku­men­ta­ti­on erfor­dert: weg von den For­ma­ten, hin zu Ele­men­ten.
Nun hat Ado­be bei­des zusam­men­ge­fasst und bie­tet damit auch dem Nicht-SGML-ler zum ers­ten Mal die Mög­lich­keit, ein­fach über die Vor­ein­stel­lun­gen und einen Frame­Ma­ker-Neu­start eine Arbeits­um­ge­bung hin­zu­zu­fü­gen oder aus­zu­blen­den, die struk­tu­rier­tes Arbei­ten erlaubt. Dem­entspre­chend befin­den sich die meis­ten Neue­run­gen im Menü „Datei“:

  • Das Unter­me­nü heißt nicht mehr „Ent­wick­ler­werk­zeu­ge“ („Deve­l­oper Tools“), son­dern „Struk­tu­rie­rungs­werk­zeu­ge“ („Struc­tu­re Tools“),
  • es ste­hen meh­re­re SGML-Umge­bun­gen zur Ver­fü­gung (Doc­Book 2.1, XHTML etc.),
  • es gibt – ange­lehnt an die Doku­ment­in­for­ma­tio­nen bei Acro­bat bzw. das Menü „Eigen­schaf­ten“ bei MS Word – ein neu­es Menü „Datei­in­fo“ („File Info“), in dem die Doku­ment­in­for­ma­tio­nen über­sicht­li­cher ange­legt und spä­ter in eine PDF über­ge­ben wer­den,
  • PDF-Doku­men­te aus Frame­Ma­ker 7 sind voll getaggt, d.h. XML-taug­lich sowie für klei­ne Moni­to­re umbrech­bar („Umflie­ßen“ bzw. „Reflow“),
  • und es gibt das Menü „Arbeits­grup­pe“ („Work­group“), mit dem man sich in einen Web­DAV-Ser­ver ein­log­gen kann (im Intra­net oder Inter­net) und als ange­mel­de­ter Benut­zer Datei­en bear­bei­ten bzw. laden und löschen darf.

Gera­de der letz­te Punkt macht Frame­Ma­ker 7 auch für die Benut­zer inter­es­sant, die kei­ne struk­tu­rier­ten Doku­men­te bear­bei­ten, denn mit Hil­fe des Arbeits­grup­pen­ser­vers, der bei­spiels­wei­se mit GoLi­ve gelie­fert wird, las­sen sich Benut­zer anle­gen und ent­spre­chen­de Rech­te ver­ge­ben – ein­fach per Brow­ser.
So ist es damit mög­lich, Ver­sio­nie­rung, Zugangs­kon­trol­le und Back­ups auf einem Ser­ver zen­tral zu steu­ern, der nicht phy­si­ka­lisch vor Ort ist, son­dern auch ein Inter­net­ser­ver sein kann.

Und da kom­men die Dienst­leis­ter ins Spiel:
Es kön­nen meh­re­re exter­ne Dienst­leis­ter zusam­men­ar­bei­ten und zen­tral admi­nis­triert wer­den. Das funk­tio­nier­te bereits mit Illus­tra­tor, Pho­to­shop und GoLi­ve. Und nun auch mit Frame­Ma­ker. Damit ent­fällt für den Auf­trag­ge­ber die Not­wen­dig­keit, teu­re Arbeits­plät­ze für sei­ne Doku­men­ta­ti­on vor­hal­ten zu müs­sen (oder sich auf län­ge­re Lauf­zei­ten gefasst zu machen) oder bei grö­ße­ren Pro­jek­ten zahl­rei­che Redak­teu­re (Bild und Text) räum­lich zusam­men zu fas­sen. Jetzt kann auch Frame­Ma­ker für die Arbeit in vir­tu­el­len Net­zen ein­ge­setzt wer­den.
Die New Eco­no­my in der Tech­ni­schen Doku­men­ta­ti­on qua­si…
😉