End­lich haben auch die Mac­in­tosh-Benut­zer einen Grund zur Freu­de: Seit Anfang des Jah­res 2005 ver­kauft ihre Haus­mar­ke Apple end­lich einen lang­ge­for­der­ten bil­li­gen – oder sagen wir bes­ser: güns­ti­gen – Mac. Der „Mac mini“ soll neue Markt­seg­men­te erschlie­ßen und das lang- und sorg­sam geheg­te Vor­ur­teil, der Mac sei zu teu­er, end­lich been­den. War­um eigent­lich?

Kei­ne Panik, lie­be Win­dows-User, ich schlie­ße mich jetzt nicht den mitt­ler­wei­le sehr zahl­rei­chen Tests an und behaup­te, der Mac mini sei so und so aus­ge­stat­tet und käme für die­se und jene Benut­zer­grup­pe in Fra­ge. Das ist nicht mein Job (außer­dem habe ich besag­ten Rech­ner nicht). Mir geht es um die Fra­ge, wel­che Aus­wir­kun­gen dies auf das Selbst­ver­ständ­nis eines typi­schen Mac-Besit­zers haben kann und wie sich das mög­li­cher­wei­se von dem eines Win­dows-Benut­zers unter­schei­den könn­te.

Eine ers­te Reak­ti­on auf die Ankün­di­gung in ein­schlä­gi­gen Lis­ten war sehr gemischt: Mac-Besit­zer wür­den sich sowas nicht zule­gen, das ist nur etwas für die Win­dows-Jungs, die immer behaup­te­ten, der Mac sei zu teu­er. Und natür­lich etwas für die­je­ni­gen, die einen hoch­ge­rüs­te­ten Rech­ner beim Dis­coun­ter um die Ecke kau­fen und es nicht ein­mal fer­tig brin­gen, mit ihm ins Inter­net zu kom­men, weil sie zu dumm sind, die – zuge­ge­be­ner­ma­ßen manch­mal kryp­ti­schen – Kon­fi­gu­ra­ti­ons­hil­fen der Sys­te­mas­sis­ten­ten zu ver­ste­hen.

Der Mac für Doo­fe also. So aller­dings kann man das nicht ste­hen las­sen, denn kein Com­pu­ter­be­nut­zer (und vor allem kein Mac-User) lässt sich ger­ne als „doof“ bezeich­nen. Dann kam die zwei­te Reak­ti­on: schick, aber nicht erwei­ter­bar. Und die Gra­fik­kar­te sei zu lahm. Und die Fest­plat­te sowie­so, vor allem zum Spie­len anspruchs­vol­le­rer Shoo­ter (was immer das ist).

Jetzt spal­tet sich das Lager der Mei­nungs­trä­ger: für die einen zu schwach, für die ande­ren zu bil­lig. Das Image der eli­tä­ren Mac-Fana­ti­ker ist schwer ange­kratzt. Glück­li­cher­wei­se spran­gen in der drit­ten Pha­se dienst­be­flis­se­ne und berufs­be­dingt Redu­zie­rer ein, die in zahl­rei­chen Tests nach­wie­sen, dass es tat­säch­lich bil­li­ge­re Win­dows-Rech­ner gibt, die sich vor allem durch die Erwei­ter­bar­keit stark vom Mac mini abset­zen kön­nen. Aber natür­lich nicht so schick sind; was, wie wir wis­sen, ein gewich­ti­ges Kauf­ar­gu­ment bei Mac­in­tosh-Besit­zer ist, die ja von der Tech­nik kei­ne Ahnung haben, dafür aber mehr auf das Aus­se­hen gehen.

Damit erreicht die Wider­sprüch­lich­keit ihren vor­läu­fi­gen Höhe­punkt: Für Mac-User in höhe­ren Ein­kom­mens­grup­pen (und für sol­che, die Geld damit ver­die­nen) ist er zu bil­lig. Für die Mac-User, die nicht so viel ver­die­nen, ist er nicht genü­gend erwei­ter­bar und nicht aus­rei­chend spiel­etaug­lich. Für Win­dows-Benut­zer der unte­ren Ein­kom­mens­grup­pe ist er immer noch zu teu­er. Ein­zig für Win­dows-Benut­zer höhe­rer Ein­kom­mens­grup­pen, die sich einen Com­pu­ter zule­gen wol­len, der zu ihrer Ein­rich­tung passt, ist er inter­es­sant.

Damit wäre die Ziel­grup­pe aus­ge­macht. War­um aber wird der Rech­ner dann durch die Test­la­bors geschleift und von Leu­ten beur­teilt, die ihn nie ver­wen­den sol­len? War­um inter­es­sie­ren wir uns dafür, ob die „Keks­do­se“ gegen einen xyz-PC bestehen kann und bei wel­chen Spie­len die Gra­fik schwä­chelt, wenn er doch gar nicht zum Spie­len da ist? War­um ver­glei­chen wir die Prei­se der ein­zel­nen Hard­ware­kom­po­nen­ten, ohne die Aus­fall­zei­ten durch Viren und ähn­li­che Stö­ren­frie­de zu berück­sich­ti­gen (von denen der Mac bis­lang gott­lob ver­schont geblie­ben ist). Brau­chen wir das, um uns für unse­re Mei­nungs­bil­dung auf „ratio­na­le“ Fak­to­ren ver­las­sen zu kön­nen? War­um ist es so schwie­rig, sich ein­fach auf die Intui­ti­on zu ver­las­sen?

Mit die­sen Fra­gen strei­fen wir eine gesell­schafts-psy­cho­lo­gi­sche Dimen­si­on: Ich ken­ne Leu­te, die klap­pern einen gan­zen Vor­mit­tag lang alle Beklei­dungs­ge­schäf­te der Stadt ab, um am Ende mit zehn kos­ten­lo­sen Klei­der­bü­geln nach Hau­se zu kom­men. Wenn sie in die­ser Zeit im Super­markt Rega­le ein­ge­räumt hät­ten, könn­ten sie sich hun­dert Klei­der­bü­gel leis­ten.

Ande­res Bei­spiel: Im Kauf­haus steht ein Pär­chen in der Schlan­ge vor mir an der Kas­se, die kau­fen sich zwei­mal im Jahr den bil­ligs­ten Staub­sauger, den sie bekom­men kön­nen, weil der Fus­sel­quirl nach sechs Mona­ten kaputt ist. Mei­ner ist dop­pelt so teu­er, hält jetzt aber schon zehn­mal so lan­ge.

Es ist eine Art Bil­lig­hei­mer-Men­ta­li­tät: wir spa­ren Geld, selbst wenn es am Ende teu­rer wird. Wir ver­su­chen uns in einer „Geiz-ist geil“-Denkweise, ohne dar­an zu den­ken, dass wir eigent­lich dadurch nur Geld aus­ge­ben, ohne einen Wert zu bekom­men. Da wir das aber spü­ren, ver­lan­gen wir nach unbe­stech­li­chen Insti­tu­tio­nen, denen wir die eige­ne Ent­schei­dungs­fä­hig­keit über­ant­wor­ten kön­nen: dem tech­ni­schen Daten­blatt und den Rabatt­ak­tio­nen gro­ßer Anbie­ter, die damit viel Geld ver­die­nen. So gese­hen, haben wir uns seit den Anfän­gen der Indus­tria­li­sie­rung nicht wesent­lich wei­ter­ent­wi­ckelt.

Nun aber zurück zum Mac mini: Der klei­ne Rech­ner ist sicher voll taug­lich für alle all­täg­li­chen Arbei­ten (Office, Mail, Inter­net, etc.), das beweist schon die Tat­sa­che, dass die meis­ten Com­pu­ter­be­nut­zer bequem mit Sys­te­men und Soft­ware arbei­ten, die min­des­tens sechs Jah­re alt sind – für Com­pu­ter gera­de­zu biblisch. Den meis­ten Benut­zern geht die Bequem­lich­keit und Ver­traut­heit vor. Statt neue Fea­tures und WLAN für jeden Com­pu­ter schät­zen es die meis­ten Pri­vat­an­wen­der, wenn eine Instal­la­ti­on per Drag&Drop funk­tio­niert oder der Dru­cker sich (fast) von allei­ne mel­det, wenn ihnen nicht stän­dig eine klei­ne Bild­schirm­ani­ma­ti­on dazwi­schen­funkt („Sie wol­len einen Seri­en­brief erstel­len?“ – „Nein, ich schrei­be mei­nem Finanz­amt!“ – „Da Sie einen Seri­en­brief erstel­len wol­len, müs­sen Sie jetzt im Menü Extras das Menü Beson­de­re Extras wäh­len.“ – „???“ â?¦), oder die gera­de gespei­cher­ten Doku­men­te sich irgend­wo auf der Fest­plat­te ver­krü­melt haben und die Such­funk­ti­on gera­de nicht funk­tio­niert, weil das Sys­tem zur Zeit auto­ma­tisch defrag­men­tiert.

Ent­schei­den­der als der Rech­ner ist der Kopf, der davor sitzt. Und wenn die Keks­do­se auch noch klag­los die CDs abspielt und archi­viert, wäh­rend man sich einen Trai­ler im Inter­net anschaut und jedes Doku­ment auf Knopf­druck als PDF spei­chert und ver­schickt, ist das genug Tech­nik für die meis­ten Benut­zer. Mini­ma­lis­mus bedeu­tet nicht bil­lig, son­dern Beschrän­kung aufs Wesent­li­che. Aber das ist eine Fra­ge der Ein­stel­lung.