Das wäre ja nun wirk­lich ver­mes­sen: der Markt der Text­ver­ar­bei­tungs­soft­ware gehört prin­zi­pi­ell auch auf dem Mac­in­tosh der Fir­ma aus Red­mond. Und das Pro­dukt, Word, kann eigent­lich so ziem­lich alles, was eine Text­ver­ar­bei­tung aus­macht – und für die meis­ten Benut­zer eher mehr als ihnen lieb ist. Denn die meis­ten wol­len immer noch ein­fach einen Text schrei­ben und for­ma­tie­ren, ein paar Bil­der hin­ein­pap­pen und das gan­ze dann ausdrucken.

Alle Vor­tei­le auf einen Blick:
  • Fla­che Lernkurve
  • Vol­le Ein­bin­dung in OS X
  • Lesen und Schrei­ben von DOC-Dateien
  • Nied­ri­ger Preis (60 USD Voll­ver­si­on, 45 USD Upgrade von Ver­si­on 6.x)
  • Mar­kie­rung unzu­sam­men­hän­gen­der Textpassagen
  • über­sicht­li­ches und schnel­les Suchen&Ersetzen
  • UTF-8 Unter­stüt­zung
  • Mehr­spra­chig­keit
  • Auto­ma­ti­sier­bar durch Perl-Scripts
  • frei kon­fi­gu­rier­ba­res Interface
  • erst­klas­si­ge Unter­stüt­zung durch Nisus und die User

Mei­nun­gen:
After using the pre-release ver­si­on of NWX2, I’m con­vin­ced that Nisus didn’t miss much. This is not a kit­chen sink word pro­ces­sor (can you say „Micro­soft Word“). It’s an ele­gant­ly desi­gned, plea­sant-to-use, thought­ful­ly intui­ti­ve app­li­ca­ti­on that’s fast, effi­ci­ent, and comes with more true „word pro­ces­sor fea­tures than most users requi­re.
(Tera Patricks‘ Mac360)

It is what it is, after all; an ele­gant, intui­ti­ve, fea­ture-rich word pro­ces­sor that has some matu­ring to do, but that’s giving every indi­ca­ti­on it’ll make its par­ents proud.
(Kirk Hiner in App­le­links)

Defi­ni­ti­on:
Nisus [(nice us): L., noun of action f. niti, to stri­ve, endea­vor.] Effort, endea­vor.
Nisus The­sau­rus, mitgeliefert

(c) Nisus Inc.
Eine Soft­ware, die das kann, ist Nisus Wri­ter. Der ers­te Ver­si­on auf OS X war ein Schnell­schuss und fiel unter die Kate­go­rie „Nice Try“, hat­te aber recht wenig von dem, was Nisus Wri­ter seit 15 Jah­ren auf dem Mac aus­mach­te: Fle­xi­bi­li­tät, Über­sicht­lich­keit, Anpas­sungs­fä­hig­keit und enge Inte­gra­ti­on ins Betriebssystem.

Das soll sich nun ändern: Bei­na­he zwei Jah­re nach der ers­ten Ver­si­on ist nun Nisus Wri­ter Express 2 auf dem Markt. Und da sieht die Sache schon anders aus, denn Nisus Wri­ter ist erwach­sen gewor­den. Es feh­len immer noch ein paar Sachen, die in der alten Ver­si­on 6.x vor­han­den waren, sind aber bereits in Pla­nung und wer­den wohl mit dem kom­men­den sub­stan­zi­el­len Update erfol­gen. Dazu aber später.

Es ist natür­lich unfair, Nisus Wri­ter mit MS Word zu ver­glei­chen, denn Word kos­tet etwa das Acht­fa­che. Und bie­tet auf­grund der Ein­bet­tung ins Office-Paket auch wesent­lich mehr. Natür­lich auch wesent­lich mehr, als man zum Schrei­ben, Edi­tie­ren und Aus­ge­ben von Text benö­tigt. An die­ser Stel­le setzt Nisus an: die Ziel­grup­pe sind Auto­ren, die gro­ße Text­men­gen be- und ver­ar­bei­ten müs­sen. Dazu zäh­len Uni­ver­si­tä­ten und Redak­teu­re, die für ein Satz­pro­gramm den Inhalt liefern.

Nun aber zu den Eigen­schaf­ten: Das Ers­te, das auf­fällt, ist das sehr über­sicht­li­che Inter­face. Es besteht aus einer Werk­zeugleis­te, in der die Basics (11 Sym­bo­le) unter­ge­bracht sind. Die sonst häu­fi­ger benö­tig­ten Werk­zeu­ge sind in einer „Schub­la­de“ auf der Sei­te unter­ge­bracht. Natür­lich las­sen sich alle Sym­bo­le auch frei anord­nen bzw. ent­fer­nen und ein­set­zen, so das sich die Werk­zeugleis­te den eige­nen Bedürf­nis­sen anpas­sen kann – aber das darf man bei nati­ven Mac OS Appli­ka­tio­nen immer.

Rechts oder links je nach Ein­stel­lung öff­net sich die Schub­la­de mit vier Grup­pen benö­tig­ter Menüs: Schrei­ben, Sei­ten­for­ma­tie­rung, Absatz­for­ma­tie­rung und Tabel­len. Auch hier kann belie­big umgrup­piert und sor­tiert werden.

Ein inter­es­san­tes Fea­ture ver­birgt sich jedoch in der Werk­zeugleis­te: Die For­ma­tie­rungs­an­sicht. Wie ein eige­nes Doku­ment las­sen sich hier die For­ma­te des Doku­ments sau­ber über­sicht­lich ein­stel­len statt sich müh­se­lig über klei­ne Fens­ter und Kar­tei­rei­ter ein For­mat in einer Art Sala­mi­tak­tik zurecht zu bas­teln – das wün­sche ich mir von ande­ren Pro­gram­men auch.

Wäh­rend der Bear­bei­tung fal­len jedoch noch ande­re Din­ge auf: Nisus öff­net und spei­chert Word-Doku­men­te und kann sogar Word-Vor­la­gen bear­bei­ten und benut­zen. So ist es immer wie­der ein Freu­de, eine Word-Datei zu säu­bern: Beim Import in ein Satz­pro­gramm wie InDe­sign oder Page­Ma­ker ste­hen kei­ne „Alt­las­ten“ im Weg.

Emp­foh­len wird, den Text grund­sätz­lich in Uni­code UTF-8 abzu­spei­chern, da nur dann die vol­len Eigen­schaf­ten des Betriebs­sys­tems grei­fen: Wahl­wei­se Zu- und Abschal­tung von sage und schrei­be knapp 170 Spra­chen und Dia­lek­ten. Nisus ist dar­über hin­aus neben dem sys­tem­ei­ge­nen Text­Edit die ein­zi­ge Text­ver­ar­bei­tung, die mit den typo­gra­fi­schen Fines­sen des OS pro­blem­los zurechtkommt.

Außer­dem wird auch die sys­tem­ei­ge­ne Recht­schreib­kor­rek­tur her­an­ge­zo­gen, so dass für alle Pro­gram­me, die dar­auf zugrei­fen, eine ein­heit­li­che Biblio­thek bereitsteht.

Immer noch uner­reicht ist die Mög­lich­keit, unzu­sam­men­hän­gen­de Tex­te gleich­zei­tig zu mar­kie­ren und zu bear­bei­ten. Apfel­tas­te drü­cken und mit der Maus Dop­pel­klick auf alle gewünsch­ten Wör­ter, far­bi­ge Her­vor­he­bung kli­cken, fer­tig. Kei­ne Maus­ral­lye durch die Menüs. Und wer will, kann sich das auch noch mit einer belie­bi­gen Tas­ten­kom­bi­na­ti­on abkürzen.

Erheb­lich ver­bes­sert wur­de eine beson­de­re Stär­ke von Nisus Wri­ter: Suchen&Ersetzen. Das Menü ist umfang­rei­cher aber den­noch sehr auf­ge­räumt. Wer die GREP-Funk­tio­nen nicht kennt, dem bie­tet Nisus Wri­ter im Such­fens­ter auch einen „Power­Find Brow­ser“, der die Zei­chen und Funk­tio­nen kurz erklärt. Alles lässt sich dann per Perl-Makro auch auto­ma­ti­sie­ren. Selbst klei­ne Berech­nun­gen sind so möglich.

Den­noch gibt es auch ein paar Hür­den: außer der auto­ma­ti­schen Num­me­rie­rung von Abschnit­ten und Sei­ten – das funk­tio­niert aller­dings tadel­los, ganz im Gegen­satz zu Word – gibt es kei­ne auto­ma­ti­sche Absatz­num­me­rie­rung. Dar­an wird aber nach Aus­kunft von Mark Hur­witz noch gearbeitet.

Auch wün­sche ich mir etwas Ähn­li­ches wie die Struk­tu­rie­rungs­an­sicht in Word, mit der in Doku­men­ten die Über­schrif­ten per „Book­mark“ in einem seit­li­chen Rei­ter mit­ge­führt wer­den – viel­leicht sogar fle­xi­bler als in Word, das nur haus­ei­ge­ne Über­schrif­ten akzeptiert.

Fazit.Wer viel und häu­fig Text pro­du­ziert, kann nun mit Freu­de arbei­ten: Es gibt ein Leben nach Word – zumin­dest für Auto­ren auf dem Mac. Und nicht mal schlecht.