Ado­be bringt ein lang­erwar­te­tes Upgrade des Pro­gramms Frame­Ma­ker – aber nur für Win­dows. Nach andert­halb Jah­ren zeigt sich Ado­be als sprung­haf­ter Soft­ware­rie­se: nach­dem auf einen Rutsch alle Pro­fi-Publi­ka­ti­ons­werk­zeu­ge (Pho­to­shop, InDe­sign, Illus­tra­tor) eine neue Ver­si­on, neue Fea­tures und Ver­bes­se­run­gen in der Per­for­mance ver­passt beka­men, war nun auch Frame­Ma­ker an der Rei­he.

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Jedoch: es kreiß­te der Berg und gebar eine Maus. Frame­Ma­ker zeich­ne­te sich in den Jah­ren nach der Pro­dukt­über­nah­me durch Ado­be eigent­lich in ers­ter Linie durch sei­ne Mono­pol­stel­lung aus, nicht durch sei­ne Funk­ti­ons­viel­falt oder den inno­va­ti­ven Pro­gramm­code.

Die Anwen­der kla­gen über feh­len­de Funk­tio­nen, die in ande­ren Pro­gram­men seit min­des­tens fünf Jah­ren Stan­dard sind, in Frame­Ma­ker jedoch immer noch nicht imple­men­tiert. Dazu zäh­len neben einer ein­heit­li­chen Schrift­ver­wal­tung auch der Umgang mit Tabel­len, die Menü­steue­rung, die mehr­fa­chen Rück­schrit­te und eine Anpas­sung an Uni­code-Stan­dards, die eigent­lich ein – von Ado­be pro­pa­gier­tes – „Mul­tich­an­nel-Publi­shing“ erst ermög­li­chen. Ins­be­son­de­re der ost­eu­ro­päi­sche Markt wur­de in der Ver­gan­gen­heit ob der feh­len­den Unter­stüt­zung ost­eu­ro­päi­schen Spra­chen sträf­lich ver­nach­läs­sigt. Gera­de von euro­päi­schen Benut­zern wur­den die Schwä­chen oft ange­mahnt und die Hoff­nun­gen ruh­ten dabei immer auf der jeweils kom­men­den Ver­si­on.

Die neue Ver­si­on jedoch, die nun als „7.1“ nur für Win­dows ange­bo­ten wer­den soll (zu einem stol­zen Preis von knapp 200 €, bie­tet auch das nicht. Allein die Tat­sa­che, dass auch Doku­men­te der Ver­si­on 7.1 mit ande­ren Doku­men­ten der Ver­si­on 7.0 (Mac­in­tosh und Unix) voll kom­pa­ti­bel sind, zeigt, dass hier kei­ne wirk­li­chen Neue­run­gen ein­ge­führt wur­den. Eine Ver­bes­se­rung der Uni­code-Stan­dards und der Bild-Import­funk­tio­nen sowie der PDF-Unter­stüt­zung wird ange­kün­digt, als ob dies bereits eine wirk­li­che Neue­rung dar­stellt. Die spär­li­chen Ver­än­de­run­gen stär­ken im Gegen­teil die Furcht vie­ler Frame­Ma­ker-Benut­zer, dass Ado­be mit dem Pro­gramm eigent­lich eine Aus­lauf­ver­si­on ver­mark­tet. Die Furcht geht um, dass dies mög­li­cher­wei­se die letz­te Ver­si­on des Frame­Ma­ker sein könn­te – dies vor allem auch vor dem Hin­ter­grund, dass Ado­be etwa alle andert­halb Jah­re sei­ne Pro­dukt­stra­te­gie völ­lig umkrem­pelt und dadurch ein gerüt­telt Maß an Inves­ti­ti­ons­un­si­cher­heit pro­vo­ziert.

Wel­chen Sinn macht es also, Funk­tio­nen für teu­res Geld an die Mehr­heit der Benut­zer zu ver­kau­fen, außer dass man damit ver­sucht, das Fell des Bären gleich mehr­mals zu ver­kau­fen? Die Spe­ku­la­tio­nen dar­über wer­den aber schon des­halb ins Lee­re lau­fen, da sich auch die Pro­dukt­ent­wick­lung bei Ado­be nicht immer logisch ver­hält. Hat­te man lan­ge ange­kün­digt, Page­ma­ker als DTP-Vete­ra­nen durch das wesent­lich neue­re InDe­sign abzu­lö­sen und ein­zu­stamp­fen, brach­te man schließ­lich doch noch eine neue Ver­si­on vor zwei Jah­ren her­aus und plat­zier­te sie als bes­se­re Office-DTP-Soft­ware (zum Kon­kur­ren­ten MS-Publisher). Das kann auch Frame­Ma­ker wider­fah­ren: in zwei Jah­ren ein­ge­stampft und wegen des völ­lig ver­al­te­ten Pro­gramm­codes begra­ben, taucht er mög­li­cher­wei­se als ande­re Office-Lösung wie­der auf.

Was aber bedeu­tet das für die Benut­zer? Schon begin­nen die ers­ten Frame­Ma­ker-Vete­ra­nen, sich nach Alter­na­ti­ven umzu­se­hen (die es nicht gibt), da sie von einem Able­ben des Pro­gramms aus­ge­hen. Unter­gangs­stim­mung ist aber ver­früht; Getreu des Aus­spruchs von Mark Twain („Berich­te über mein Able­ben dürf­ten stark über­trie­ben sein“) ist Frame­Ma­ker auch in der jet­zi­gen Ver­si­on noch ein her­vor­ra­gen­des Pro­gramm, das sich ins­be­son­de­re durch die Frame­script-Schnitt­stel­le um Funk­tio­nen erwei­tern lässt, von denen selbst die Pro­gram­mie­rer bei Ado­be nicht wis­sen, dass es sie gibt.

Das Fazit dürf­te daher eher lau­ten, dass man Frame­Ma­ker noch nicht abschrei­ben soll­te. Frame­Ma­ker ist wei­ter­hin jedem ver­meint­li­chen Kon­kur­renz­pro­dukt wie MS Office oder Open­Of­fice für den Men­gen­satz um Mei­len vor­aus. Ein Upgrade auf Ver­si­on 7.1 lohnt sich aller­dings kaum, wenn man mit Ver­si­on 7 bereits arbei­tet. Da muss Ado­be noch eini­ges mehr bie­ten, um den Benut­zer guten Gewis­sens soviel Geld aus der Tasche zu zie­hen. Inves­tie­ren Sie das Geld lie­ber in Framescript/​Elmscript, das ist wesent­lich bes­ser ange­legt …