Mit einem Rie­sen­mar­ke­ting­ge­tö­se bringt Ado­be nun die neue Ver­si­on 6 des Acro­bat unters Volk. Nach dem Erfolg der letz­ten Ver­si­on – ins­be­son­de­re bei den Office-Anwen­dern mit Win­dows – ent­wi­ckelt sich Acro­bat als pri­mä­res Werk­zeug zur PDF-Bear­bei­tung zuneh­mend zu einer der tra­gen­den Säu­len in Ado­bes Pro­dukt­port­fo­lio – und damit Kassenstand.

Seit der Ein­füh­rung des Por­ta­ble Docu­ment For­mats sind schon vie­le Berich­te und Bewer­tun­gen die­ses Datei­for­mats geschrie­ben wor­den, so dass ich an die­ser Stel­le ger­ne dar­auf ver­zich­te, die Vor­zü­ge und Nach­tei­le des PDF auf­zu­lis­ten. PDF ist aus der redak­tio­nel­len Arbeit nicht weg­zu­den­ken, hat sei­nen fes­ten Platz in Web­sites und dient mit Hil­fe des Kata­log­werk­zeugs auch zur Archi­vie­rung und Durch­such­bar­keit umfang­rei­cher Doku­men­te. Zuneh­mend löst PDF jedoch auch in der Druck­vor­stu­fe das „gute alte“ Post­script ab, auf dem die zwei­te Revo­lu­ti­on des Buch­drucks beruht: das Desk­top Publi­shing. Auch DTP ist in die Jah­re gekom­men, die Anfor­de­run­gen an ein gutes Druck­werk jedoch nicht. Dru­cke­rei­en benö­ti­gen ver­läss­li­che Daten, denn Dru­cken ist teu­er. Dru­cke­rei­en wol­len kei­ne Über­ra­schun­gen auf dem Papier erle­ben und gleich­zei­tig fle­xi­bel auf die Anfor­de­run­gen des „Print on Demand“ reagie­ren kön­nen. Dabei hilft ihnen PDF und dar­auf auf­bau­en­de Prozesse.

Was aber hat Acrobat 6 damit zu tun?

Bereits Acro­bat 5 zeig­te deut­lich, dass es Ado­be nicht dar­um geht, die Wün­sche einer Rand­grup­pe (dem DTP in der Druck­vor­stu­fe) zu befrie­di­gen, son­dern ein Werk­zeug zu ent­wi­ckeln, das die Vor­tei­le des haus­ei­ge­nen PDF bei der Dis­tri­bu­ti­on aus­schöpft. Die Vor­tei­le lie­gen in ers­ter Linie bei der Mas­se der Office User, die sich jedes Mal dar­über wun­dern, war­um ihr Gegen­über, dem sie nun ihr Doku­ment gemailt haben, Pro­ble­me beim Öff­nen hat, obwohl er doch auch MS Office ver­wen­det. Und war­um es Doku­men­te gibt, die sich nicht mit Word öff­nen lassen …

Acro­bat 5 bot den Aus­weg: auf einem Win­dows-Rech­ner konn­te man per Maus­klick ruck-zuck eine PDF aus dem Word-Doku­ment erstel­len, ein­schließ­lich aller Lese­zei­chen und eines inter­ak­ti­ven Inhalts­ver­zeich­nis­ses (sofern man dies natür­lich über die Word-eige­ne Auto­ma­ti­sie­rung hin­be­kom­men hat­te). Mac-User konn­ten nur stau­nen: Ein tol­les VB-Script mach­te es dem unbe­darf­tes­ten Word-Tex­ter mög­lich, PDF aus­zu­ge­ben. Das woll­ten wir auch für unser Word, das schließ­lich von der glei­chen Fir­ma stammt. Pus­te­ku­chen: Ado­be ver­sprach Abhil­fe seit zwei Jah­ren. Nun ist er in der Ver­si­on 6 da: ein But­ton, mit dem man in Word sofort PDF erstellt. dabei wird – ganz nach dem Vor­bild des Win­dows-Pen­dants – ein Script gestar­tet, dass die Daten an den Dru­cker und den Distil­ler über­gibt. Am Ende kommt dabei ein PDF heraus.

Lei­der aber kann man es nicht kon­fi­gu­rie­ren. Und Lese­zei­chen sind schon gar nicht dabei. Abge­se­hen davon ist die sys­tem­ei­ge­ne PDF-Kon­ver­tie­rung („Als PDF spei­chern“), die ganz ohne Acro­bat aus­kommt und auch kei­ne Lese­zei­chen über­gibt, wesent­lich schnel­ler. Nun ja, für Acro­bat sieht das mehr nach einer Luft­num­mer aus. Den But­ton hät­te man sich auch spa­ren können …

GUI

Stark an die gän­gi­gen Vor­stel­lun­gen einer gra­phi­schen Benut­zer­ober­flä­che (Deut­sche haben immer Wortun­ge­heu­er, daher nen­nen wir es mal GUI, „gra­phi­cal user inter­face“) ange­passt ist die Ver­si­on 6 aller­dings: Bun­ter, aber auch über­sicht­li­cher wur­den wich­ti­ge Befeh­le grup­piert, um einen leich­te­ren Zugriff zu erhal­ten. Auf den ers­ten Blick lehnt sich das neue GUI an die bei­den Ober­flä­chen des Win­dows XP und MacOS X an, deren Ver­wandt­schaft unter­ein­an­der unver­kenn­bar ist.

Kei­ne wirk­lich gelun­ge­ne Umset­zung des GUI …

Preflightfunktion

Die wich­ti­gen Funk­tio­nen – zumin­dest aus der Sicht der Ent­wick­ler – wur­den wei­ter­ent­wi­ckelt: Die Mög­lich­kei­ten, PDF druck­tech­nisch auf­zu­be­rei­ten, sind gigan­tisch. Vom ein­ge­bau­ten Pre­f­light­check bis zum Mess­werk­zeug und dem detail­lier­ten Aus­ga­be­re­port sowie der Lupe ist so ziem­lich alles dabei, was es der Dru­cke­rei erlaubt, die PDF bereits vor dem ers­ten Andruck auf Schwach­stel­len und mög­li­che Feh­ler abzuklopfen.

Kommentare

Die Kom­men­tar­funk­tio­nen, ein unver­zicht­ba­rer Bestand­teil für uns Redak­teu­re beson­ders bei den Kor­rek­tur­läu­fen, wur­den eben­falls aufgepeppt:

  • Kom­men­ta­re kön­nen in einem geson­der­ten Fens­ter betrach­tet und bear­bei­tet, abge­hakt oder erneut nach­ge­fragt werden
  • Zusätz­li­che Kom­men­ta­re wer­den im- und expor­tiert, so dass alle Kor­rek­tur­läu­fe in einer ein­zi­gen PDF erle­digt wer­den können

Buchfunktion

Ein net­tes Fea­ture bei der Aus­ga­be meh­re­rer PDFs ist die Mög­lich­keit, alle PDFs in einem Buch zusam­men zu fas­sen und zu sor­tie­ren. Die Lese­zei­chen blei­ben dabei erhal­ten. In Acro­bat 5 muss­te man dazu noch jedes PDF ein­zeln „ankle­ben“.

Fazit

Für alle Win­dows-Benut­zer in der tech­ni­schen Redak­ti­on könn­te das ers­te Fazit lau­ten: wenn Sie PDF für Kor­rek­tu­ren ein­set­zen, soll­ten Sie sich Acro­bat 6 anschaf­fen, wenn nicht, lohnt es sich kaum – beson­ders ange­sichts des hohen Prei­ses, für den Sie frü­her eine Voll­ver­si­on bekamen.

Für die Mac­in­tosh-Rand­grup­pe all­ge­mein: End­lich lan­ge Datei­na­men, auch mehr­spra­chig (z.B. Deutsch und Japa­nisch), end­lich Distil­ler OS X nativ. Lei­der immer noch kein ech­ter PDFMa­ker und kein Brow­ser Plug-In. In den ein­schlä­gi­gen Foren der Ado­be User-Groups wer­den dahin­ter kei­ne tech­ni­schen Pro­ble­me, son­dern Pro­dukt­po­li­tik vermutet.

Für die Dru­cker­pro­fis: End­lich (wenn man in der Druck­vor­stu­fe arbei­tet) ordent­li­che Pre­f­light­checks und farb­se­pa­rier­te Aus­ga­be mit Voransicht.