Mit dem Nie­der­gang der „New Eco­no­my“ schwin­det auch das Ver­trau­en in die All­macht des Inter­nets. Zu Unrecht. Dem Anschein nach kön­nen nur die gro­ßen Betrei­ber der Inter­net­sei­ten über­le­ben, da nur sie über aus­rei­chen­de Res­sour­cen ver­fü­gen, die das Web – und damit natür­lich ihre eige­nen Sei­ten – mit Inhal­ten fül­len. Wem nichts ein­fällt, kauft sich sei­nen Con­tent für teu­res Geld. Ein Trug­schluss.

Die­ser Irr­tum kommt jedoch nicht von Unge­fähr: Jah­re­lang wieg­ten sich Her­aus­ge­ber von Inter­net­sei­ten (Unter­neh­men, Orga­ni­sa­tio­nen, Ver­ei­ne) in dem Glau­ben, die Inves­ti­ti­on in ein eini­ger­ma­ßen aktu­el­les Soft­ware­pa­ket wür­de alle ihre Pro­ble­me des Ver­triebs und Mar­ke­ting, ihre Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Kun­den und den Geschäfts­part­nern lösen. Kau­fen, erstel­len und fer­tig.

Je bil­li­ger mitt­ler­wei­le CMS (Con­tent-Manage­ment-Sys­te­me) zu haben sind – für ein funk­tio­nie­ren­des Redak­ti­ons­sys­tem für Web­sites legt man gera­de mal € 200 hin, des­to eher füh­len sich die Auf­trag­ge­ber in dem Glau­ben bestärkt, sowas qua­si „en pas­sant“ aus dem Ärmel schüt­teln zu kön­nen. Denn die Tools sind fast geschenkt und so bequem zu bedie­nen, dass auch völ­lig Unge­üb­te Inter­net­sei­ten zusam­men­stel­len kön­nen, die den meis­ten Ansprü­chen voll­kom­men genü­gen.

Doch ganz so ein­fach ist es nicht. Die Prei­se und die Käuf­lich­keit der CMS-Lösun­gen täu­schen häu­fig dar­über hin­weg, dass der Inhalt ja auch erst geschrie­ben wer­den muss. Bil­der wol­len erstellt und auf­be­rei­tet wer­den, Struk­tu­ren erkannt und benutz­bar wie­der­ge­ge­ben. Ein­fach nur das Pro­gramm kau­fen genügt eben doch nicht immer. Das haben auch die Anbie­ter kos­ten­güns­ti­ger Inter­net­sei­ten erkannt: für € 500 ins Netz – wenn man Text und Bil­der sowie eine Kon­zep­ti­on und die Navi­ga­ti­ons­struk­tur gleich mit­bringt.

Da aber ist der Haken: Pro­gram­miert sind die Sei­ten wirk­lich sehr schnell, einen dazu pas­sen­den Inhalt zu schrei­ben, der über das „Will­kom­men bei XYZ!“ hin­aus­geht, erfor­dert eige­ne Anstren­gung und Zeit. Die Ent­schei­dung dar­über, wel­che Tex­te und Bil­der denn nun ver­öf­fent­licht wer­den, kos­tet Mühe. Sie lohnt sich, aber sie ist oft nicht in der Kal­ku­la­ti­on ent­hal­ten. Die­se Arbeit neh­men einem exter­ne Dienst­leis­ter auch ab, ver­lan­gen dafür jedoch Geld, viel Geld. Denn sie müs­sen mit dem Auf­trag­ge­ber spre­chen, vor Ort sein und das bis­lang Gewünsch­te aber nie Aus­ge­spro­che­ne erfas­sen und umset­zen.
Das ist Ser­vice, der kos­tet. Er for­dert vor allem die Zeit und Ent­schei­dungs­freu­dig­keit des Auf­rag­ge­bers, die­se ver­meint­lich sen­si­blen The­men zu publi­zie­ren und greif­bar zu machen. Er erfor­dert auch die Fähig­keit, den – zuge­ge­be­ner­ma­ßen schlecht fass­ba­ren – Auf­wand in die Betriebs­kal­ku­la­ti­on ein­flie­ßen zu las­sen.

Mit die­sen bei­den Punk­ten jedoch hat der Mit­tel­stand allen Beschwö­rungs­ver­su­chen zum Trotz sei­ne Pro­ble­me: Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, die über das Pro­dukt hin­aus­ge­hen und soge­nann­te „wei­che“ Fak­to­ren in die Kal­ku­la­ti­on zu über­neh­men, sind immer noch der wun­de Punkt vie­ler klei­ner Unter­neh­men.
An die­ser Stel­le beginnt der Enthu­si­as­mus für das Inter­net zu brö­ckeln. Wo die Gro­ßen Geld dafür aus­ge­ben kön­nen, dass Ent­schei­dun­gen für sie getrof­fen wer­den und über ein mehr oder weni­ger funk­tio­nie­ren­des Con­trol­ling ver­fü­gen, müs­sen die Klei­nen selbst aktiv wer­den. Das ist aber ein unge­wohn­tes Ter­rain, wes­we­gen zuneh­mend Klein­an­bie­ter sich von dem Traum ver­ab­schie­den, mit dem Inter­net Geld ver­die­nen zu kön­nen.

Natür­lich kön­nen sie es. Sie müs­sen sich nur damit aus­ein­an­der­set­zen. Die Hoff­nung, dies mit dem Kauf einer Soft­ware vom Tisch zu haben, ist nicht nur trü­ge­risch, son­dern töd­lich für die Web­sites.