Kön­nen Sie sich noch vor­stel­len, einen Fern­se­her als Moni­tor zu benut­zen? Oder gar mit grü­nen Schrift­zei­chen auf schwar­zen Hin­ter­grund zu arbei­ten? Um zu ergrün­den, was das mit den „72dpi“ auf sich hat und war­um es „72ppi“ hei­ßen soll­te, war­um Moni­to­re heut­zu­ta­ge 96ppi haben und war­um ein Doku­ment auf dem Bild­schirm zwar mit 100% Ver­grö­ße­rung ange­zeigt, aber trotz­dem nicht in Ori­gi­nal­grö­ße dar­ge­stellt wird – dazu müs­sen wir weit ausholen.

Als die ers­ten Com­pu­ter auf den Markt kamen, waren sie rei­ne Rechen­knech­te. Sie soll­ten mono­to­ne Arbei­ten und Berech­nun­gen erleich­tern und feh­ler­frei aus­füh­ren, Maschi­nen steu­ern und einen hohen Auto­ma­ti­sie­rungs­grad ermög­li­chen. Com­pu­ter hat­ten mit Text­ver­ar­bei­tung und Gra­fik nichts am Hut, geschwei­ge denn mit noch krea­ti­ve­rer Arbeit wie Film­pro­duk­ti­on und Multimedia.

Das Ein­ga­be­werk­zeug der Wahl war die Tas­ta­tur. Der Bild­schirm (das „Daten­sicht­ge­rät“ – der Name war Pro­gramm) bil­de­te eine wei­te­re Schnitt­stel­le zwi­schen dem Pro­gram­mie­rer und der Maschi­ne. Die Maus war zwar ange­dacht, mach­te aber kei­nen Sinn, da sie eine tech­nisch nicht umsetz­ba­re Lösung der visu­el­len Inter­ak­ti­on vor­aus­setz­te: WYSIWYG. Bei Xerox in Palo Alto hat­te man sich zwar damit schon beschäf­tigt, aber her­aus­ge­kom­men war ein Gerät, das mit ca. 60.000 US Dol­lar nicht ver­käuf­lich war. Im Büro schrieb man auf Maschi­nen für DM 6000, die mit grü­ner Schrift auf schwar­zem Grund alles dar­stell­ten, was sie konn­ten. Nur eben nicht das, was spä­ter aus dem Dru­cker kam. Die­se Auf­ga­be über­nah­men Satz­ma­schi­nen, die ein Viel­fa­ches jener Büro­rech­ner kos­te­ten. Oder man ver­zich­te­te auf Lay­out und Typografie…

Die Bild­schirm­auf­lö­sung der Moni­to­re spiel­te für die­se Anfor­de­run­gen kei­ne gro­ße Rol­le, da alle Punk­te eines Schrift­zei­chens bzw. einer Linie als Pixel dar­ge­stellt wur­den. Für die­sen Zweck konn­te man auf rela­tiv güns­ti­ge Fern­seh­mo­ni­to­re zurück grei­fen, die ca. 50 Pixel pro Qua­dratzoll (50ppi) dar­stel­len konn­ten. Auch heu­ti­ge Fern­se­her beherr­schen nicht mehr, denn aus einer Distanz von 3m macht eine höhe­re Auf­lö­sung und damit Schär­fe wenig Sinn.

Anders jedoch bei den Moni­to­ren der Com­pu­ter. Die Bear­bei­ter saßen nur 50cm von der Schei­be ent­fernt, wodurch ihnen ein „rau­hes“, pixe­li­ges Bild sofort auf­fiel. Mit der Mög­lich­keit, auf dem Moni­tor WYSIWYG zu rea­li­sie­ren, bestand jedoch Bedarf nach höher auf­lö­sen­den Moni­to­ren. Ins­be­son­de­re beim DTP war man nun dar­auf ange­wie­sen, ein Zei­chen auch in sei­ner rea­len Grö­ße dar­zu­stel­len. Nur dann war DTP mög­lich (z.B. mit Aldus Page­ma­ker, dem ers­ten ech­ten Lay­out­pro­gramm für den klei­ne­ren Geldbeutel).

Moni­to­re mit hoher Auf­lö­sung waren kost­spie­lig – ins­be­son­de­re, wenn sie auch noch mit 256 Far­ben arbei­te­ten (mehr schaff­ten die Gra­fik­kar­ten nicht).

Der Kom­pro­miss, der ent­stand, war ein Rück­griff auf die klas­si­sche Typo­gra­fie: Schrift wird in Punkt gemes­sen. 72 Punkt mach­ten einen Zoll (engl. „inch“) aus. Satz­ma­schi­nen arbei­te­ten daher mit Schrift­grö­ßen­ma­ßen wie 12pt (12 Punkt), um die Ver­sal­hö­he eines Schrift­zei­chens (meist des „X“) und damit die Grö­ße der Schrift zu bezeichnen.

Es lag also nahe, die 72dpi („dots per inch“) auf die Moni­tor­dar­stel­lung zu über­neh­men: jeder Punkt im Druck ent­sprach einem Pixel (Bild­punkt) auf dem Moni­tor, was zu einer Auf­lö­sung von 72ppi („pixel per inch“) auf dem klas­si­schen (und finan­zier­ba­ren) Moni­tor führ­te. Mehr brauch­te man nicht, um WYSIWYG zu erzeugen.

Mitt­ler­wei­le beherr­schen Moni­to­re auch 120ppi und es gibt kei­ne Bild­schir­me mehr, die nur 72ppi dar­stel­len (der Stan­dard liegt bei 96ppi). Den­noch aber ist 72dpi das Maß aller Din­ge, die gedruckt wer­den sol­len. Nun aber ist 96 um ca. 33% grö­ßer als 72 und umge­kehrt 72 etwa 25% klei­ner als 96. Moni­to­re, die 96ppi Auf­lö­sung besit­zen, stel­len eine DIN A4-Sei­te daher um 25% zu klein dar.

Das lässt sich – klas­si­scher­wei­se – mit dem Line­al nachmessen.