Aka­de­mi­sche Doku­men­te zeich­nen sich im all­ge­mei­nen dadurch aus, dass sie gele­sen wer­den müs­sen – ent­we­der als zu kor­ri­gie­ren­de Tex­te oder für Prü­fun­gen und Arbei­ten. Die Absicht des Benut­zers, also des Lesers, wird still­schwei­gend vor­aus­ge­setzt, denn er kann ja nicht anders, als sich durch das gesam­te Doku­ment hin­durch­zu­ar­bei­ten…

Das Kri­te­ri­um der Leser­lich­keit nimmt dabei einen hohen Stel­len­wert ein: wich­tig ist die kor­rek­te Ortho­gra­fie und die Beach­tung aller vor­ge­ge­be­nen Nor­men. Es muss in ers­ter Linie leser­lich sein. Es wird nicht gefragt, ob ein Doku­ment auch les­bar ist.

Leser­lich­keit und Les­bar­keit. Wäh­rend Leser­lich­keit sich an der Ein­hal­tung von Recht­schreib­re­geln und Lay­out­vor­ga­ben ori­en­tiert, geht die Les­bar­keit wei­ter. Les­bar ist ein Doku­ment dann, wenn es gele­sen wer­den will, nicht wenn es gele­sen wer­den muss. Dies hat mit­un­ter zur Fol­ge, dass die Regeln der Les­bar­keit, also die Über­sicht­lich­keit und visu­el­len Struk­tu­rie­rung, zuguns­ten der Regeln der Leser­lich­keit zurück­ge­stellt wer­den und eine soge­nann­te Blei­wüs­te ent­steht. Sie ver­langt dem Leser eine erheb­li­che Selbst­dis­zi­plin ab, bis zum Ende zu lesen. Lesen wird dadurch zur Arbeit.

Anspruch. Nicht alle Doku­men­te jedoch haben einen aka­de­mi­schen Anspruch, nicht alle dür­fen vom Leser ver­lan­gen, dass er viel Zeit auf­wen­det, um eine Sei­te zu lesen. Zu die­sen Doku­men­ten zäh­len bei­spiels­wei­se tech­ni­sche Doku­men­te. Bei ihnen muss der Leser schnell die rele­van­ten Infor­ma­tio­nen fin­den. Eine über­sicht­li­che Struk­tur und eine erfass­ba­re Typo­gra­fie haben Vor­rang vor aus­führ­li­chen Schil­de­run­gen. Deren Funk­ti­on muss ein Bild oder eine Gra­fik über­neh­men.

Typo­gra­fie. Um so bedau­er­li­cher ist es daher, wenn auch in tech­ni­schen Doku­men­ten, deren Struk­tur und Über­sicht­lich­keit für die Ver­ständ­lich­keit wich­tig sind, Typo­gra­fie und Lay­out lei­den. Dazu zäh­len bei­spiels­wei­se Band­wurm­num­me­rie­run­gen nach dem Mus­ter „1.1.2.3.4.1“ (oft folgt dar­auf dann kein Abschnitt „1.1.2.3.4.2“), bei denen der Leser spä­tes­tens nach der drit­ten Zahl die ers­te ver­ges­sen hat. Dazu zäh­len typo­gra­fi­sche Aus­zeich­nun­gen des Schreib­ma­schi­nen­zeit­al­ters, die nur des­we­gen ver­wen­det wer­den, weil die Soft­ware sie auch anbie­tet. Unter­strei­chun­gen sind da ein belieb­tes Mit­tel, die Les­bar­keit zu redu­zie­ren.

Die dop­pel­te Nega­ti­on. Für ein aka­de­mi­sches Doku­ment mag die Nega­ti­on der Les­bar­keit ein trau­ri­ges (weil nicht not­wen­di­ges) Kapi­tel der Les­bar­keit sein. Die Les­bar­keit darf aber in Doku­men­ten nicht ver­leug­net wer­den, deren obers­te Prä­mis­se gera­de die Erfas­sung der Inhal­te sein soll­te.