Im Grun­de genom­men ist es wider­sin­nig, mit Hil­fe eines Com­pu­ters auf dem Bild­schirm Tex­te und Lay­outs zu ent­wi­ckeln, die spä­ter auf dem Papier aus­ge­druckt wer­den sol­len.

Das Ziel der Bild­schirm­ty­po­gra­fie muss es sein, die Les­bar­keit zu gewähr­leis­ten ? auch auf dem Moni­tor. Auf­grund der unter­schied­li­chen Anfor­de­rung und tech­ni­schen Gege­ben­hei­ten gel­ten jedoch für den Bild­schirm ande­re Geset­ze als für den Druck. 

Zum The­ma:

Die Ansicht („WYSIWYG“) des bear­bei­te­ten Doku­ments auf dem Moni­tor kann nicht voll­stän­dig die Druck­aus­ga­be wie­der­ge­ben, da Moni­to­re nur eine ? im Ver­gleich zum Druck ? sehr begrenz­te Auf­lö­sung besit­zen. Wäh­rend das Auge bei etwa 600d­pi (dots per inch) im Druck noch Unter­schie­de wahr­neh­men kann, schaf­fen selbst hoch­wer­ti­ge Moni­to­re nur 120d­pi, der Stan­dard liegt meist zwi­schen 90 und 100 dpi. (Das gilt übri­gens für alle Betriebs­sys­te­me, da die Auf­lö­sung, also die Anzahl der Pixel pro Zoll, von der Leis­tung der Gra­fik­kar­te und des Moni­tors abhängt und nicht von der Soft­ware.)

Die man­geln­de Fähig­keit der Bild­schir­me, Fein­hei­ten bei Schrif­ten und Bil­dern wie­der­zu­ge­ben, hat dazu geführt, dass die Sys­tem­her­stel­ler (z.B. Micro­soft oder Apple) damit begon­nen haben, eige­ne Schrif­ten spe­zi­ell für den Bild­schirm zu ent­wer­fen, die den ande­ren Anfor­de­run­gen gewach­sen sein soll­ten.

Kenn­zei­chen die­ser Schrif­ten sind der Ver­zicht auf klei­ne Pun­zen, Seri­fen und star­ke Strich­stär­ken­va­ria­tio­nen, wie sie bei­spiels­wei­se in den klas­si­zis­ti­schen Anti­qua (z.B. Wal­baum, Bodo­ni) zu fin­den sind. Auch Unter­schnei­dun­gen, ein Stan­dard bei hoch­wer­ti­gen DTP-Pro­gram­men, kön­nen auf dem Bild­schirm nicht kor­rekt wie­der­ge­ge­ben wer­den. Ande­rer­seits sind Bild­schirm­schrif­ten (z.B. Ari­al, Gene­va, Swiss, Ver­da­na) nicht dazu geeig­net, „sau­be­re“ Schrift­bil­der im Druck zu erzeu­gen.

Im Nach­fol­gen­den fin­den Sie eini­ge Hin­wei­se, die bei der Typo­gra­fie auf dem Bild­schirm beach­tet wer­den soll­ten.

Seri­fen­schrif­ten mit klei­nen Pun­zen „lau­fen zu“. Wäh­rend Seri­fen­schrif­ten (z.B: Times) im Druck im all­ge­mei­nen für eine bes­se­re Les­bar­keit sor­gen, erschwe­ren sie das Lesen auf dem Moni­tor.

Gerin­ger Zei­len­ab­stand irri­tiert. Im Druck wird das Auge durch die Sei­ten­rän­der und Seri­fen in der Zei­le gehal­ten; auf dem Moni­tor sind dazu Seri­fen­schrif­ten mit gro­ßer Mit­tel­hö­he not­wen­dig, deren gerin­ger Unter­schied zwi­schen Ver­sal­hö­he und Mit­tel­hö­he dem Auge nicht genü­gend mar­kan­te Punk­te für die Erfas­sung bie­ten. Daher sind seri­fen­lo­se Schrif­ten die bes­se­re Wahl, sie müs­sen aller­dings mit einem grö­ße­ren Zei­len­ab­stand ver­se­hen wer­den.

Lan­ge Zei­len sind unle­ser­lich. Bei zu lan­gen Zei­len (mehr als 80 Zei­chen pro Zei­le) rutscht das Auge in die benach­bar­ten Zei­len. Das Lesen erfor­dert mehr Kon­zen­tra­ti­on

Mehr­spal­ten­satz ver­wirrt. Um auch auf dem Papier das Pro­blem der lan­gen Zei­len zu umge­hen, wird häu­fig ein Mehr­spal­ten­satz ein­ge­setzt, der aller­dings auf dem Moni­tor ver­wirrt, da der Leser am Ende der Spal­te erneut scrol­len muss und dabei die Spal­te ver­liert.

Kon­trast erblin­det. Da Moni­to­re wegen des RGB-Farb­raums kein rei­nes Weiß oder Schwarz pro­du­zie­ren, kann der hohe Gam­ma-Wert (bei Win­dows meist 2.2) zu einem extre­men Kon­trast zwi­schen dem Text und dem Hin­ter­grund füh­ren, was das Auge vom Text ablenkt.

Block­satz reißt Löcher. Doku­men­te für den Druck wer­den nor­ma­ler­wei­se mit einer Wort­tren­nung aus­ge­ge­ben, so dass die Wort­ab­stän­de (beson­ders bei schma­len Spal­ten und gro­ßen Län­gen­un­ter­schie­den) rela­tiv kon­stant blei­ben. Auf dem Bild­schirm (im HTML) gibt es kei­ne Tren­nung, so dass ein über­lan­ges Wort auto­ma­tisch auf die nächs­te Zei­le ver­scho­ben wird und die ver­blei­ben­den Wör­ter im Block­satz aus­ge­trie­ben wer­den. Damit wer­den gro­ße Wort­zwi­schen­räu­me erzeugt, die das Lesen erschwe­ren.