Sie ken­nen es nicht!? Unvor­stell­bar.
Im Fol­gen­den beschrei­be ich einen zwar fik­ti­ven Zustand, der nichts­de­so­trotz auf tat­säch­li­chen Erfah­run­gen beruht.

Sie sit­zen nichts­ah­nend an Ihrem Arbeits­platz und plötz­lich kommt Ihr Vor­ge­setz­ter, setzt sich Ihnen gegen­über auf den frei­en Platz und bit­tet Sie, eine Auf­ga­be zu über­neh­men, für die Sie ent­we­der über- oder unter­qua­li­fi­ziert sind.

Sie kön­nen nicht ableh­nen, denn ent­we­der ist die Ange­le­gen­heit brand­e­i­lig und gera­de nie­mand sonst anwe­send oder es han­delt sich um einen Job, den kei­ner ger­ne macht, und der aus die­sem Grund immer wie­der wei­ter­ge­scho­ben wor­den ist. Wenn Sie jetzt auf die Idee kom­men zu fra­gen, war­um er gera­de Sie dar­um bit­tet, schließ­lich kön­ne man dafür auch einen geeig­ne­te­ren Mit­ar­bei­ter bit­ten, dann haben Sie es erlebt, das Phä­no­men: „Na, Sie sind ja eh‘ da!“…

Dar­an wäre an sich nichts Anstö­ßi­ges oder Selt­sa­mes, wenn es nicht weit­rei­chen­de Aus­wir­kun­gen auf die Pro­duk­ti­vi­tät des gesam­ten Unter­neh­mens hät­te. Eine Ablen­kung des Mit­ar­bei­ters von sei­nen eigent­li­chen Auf­ga­ben hat drei Kon­se­quen­zen: er ist für sein Auf­ga­ben­feld für die nächs­te Zeit nicht ver­füg­bar, kann mit­hin sei­ne eige­nen Tätig­kei­ten nicht voll­stän­dig oder recht­zei­tig erle­di­gen – und er erle­digt die neue Auf­ga­be man­gels aus­rei­chen­der Erfah­rung oder Qua­li­fi­ka­ti­on unter Umstän­den nicht voll­stän­dig. Es wer­den also zwei Auf­ga­ben nicht rich­tig erle­digt. Dar­über hin­aus macht sein Ein­satz, der ja nicht unbe­dingt immer wider­wil­lig erfolgt, meist Schu­le. Das bedeu­tet, dass er mit sol­chen Auf­ga­ben häu­fi­ger betraut wird und sich der Pro­duk­ti­vi­täts­ver­lust addiert.

Statt einen Mit­ar­bei­ter dau­er­haft frei­zu­stel­len für die­se Auf­ga­ben, ihn ent­spre­chend zu schu­len, oder gar einen exter­nen Dienst­leis­ter damit zu betrau­en, wer­den anfal­len­de Auf­ga­ben gleich­mä­ßig auf anwe­sen­de Mit­ar­bei­ter ver­teilt. Die Ver­tei­lung erfolgt dabei meist auf Zuruf, so dass auch spä­ter kei­ner der Betei­lig­ten sich so genau erin­nern kann, wofür denn nun die gan­ze Zeit gear­bei­tet wur­de und war­um die ande­ren Auf­ga­ben lie­gen geblie­ben sind.

Keh­ren wir zu unse­rem Sze­na­rio zurück:
Sie haben die Auf­ga­be über­nom­men, haben ein paar Stun­den inves­tiert. In der Zwi­schen­zeit sind die Kol­le­gen schon nach Hau­se gegan­gen und das Tele­fon klin­gelt. „Oh, Sie sind ja immer noch da!“ (Der Chef) „Haben sie schon die Unter­la­gen vor­be­rei­tet, um die ich Sie in der letz­ten Woche gebe­ten hat­te? Sie wis­sen, ich brau­che das mor­gen.“ Natür­lich haben Sie nichts vor­be­rei­tet, denn das woll­ten sie zwar heu­te erle­di­gen, kamen aber wegen der ande­ren Auf­ga­be nicht dazu. Was tun? Über­stun­den? Die Auf­ga­be abwäl­zen kön­nen Sie nicht, denn die Kol­le­gen sind nicht mehr da, die Ihnen hel­fen könn­ten.

Tja. Da macht sich schnell der Frust breit, wenn das häu­fi­ger vor­kommt. Ent­we­der Sie bele­gen am nächs­ten Wochen­en­de einen Kurs in Zeit­ma­nage­ment und Selbst­be­haup­tung oder Sie stu­die­ren die Stel­len­an­zei­gen. Oder sie kün­di­gen. Inner­lich. Scha­de, denn das ändert nichts dar­an, dass es Ihnen wahr­schein­lich beim nächs­ten Mal wie­der so geht, weil sie eben auch einer von denen sind: Sie sind der „Ehda“.